Molla entfernte sich schweigend und drohte ihm im Zurüksehn mit dem Zeigefinger.

Abaellino gieng mit starken Schritten durchs Zimmer, den Kopf auf die Brust gesenkt, die Arme untereinander geschlagen. „Der erste Schritt,“ dachte er bei sich! „der erste Schritt ist gethan; ein moralisches Ungeheuer weniger in der Welt. Ich habe in diesem Morde nicht gesündigt, sondern mich geheiliget. — Gott, steh mir bei, ich habe ein großes Werk vor mir. — Ach, und dann soll Rosamunde der Lohn meiner Mühseligkeiten — Rosamunde? die Nichte des Dogen dem verworfnen Abaellino — o, in Ewigkeit geht es hier nicht gut zu Ende. Aber welch ein toller Einfall, ein Mädchen beim ersten Anblik — — Aber auch nur eine Rosamunde kann durch ihr erstes Erscheinen fesseln. — Rosamunde und Emmoina! — — Doch es ist schön nach Unmöglichkeiten zu haschen, es belustigen Träume wenigstens, und der arme Abaellino bedarf Belustigung. O wüßte die Welt, was Abaellino vollführen wird, ach sie würde ihn gewis lieben und bemitleiden! —“

Molla trat herein. Ihr nach folgten schlaftrunken, gähnend und schlaff Thomas, Baluzzo, Petrini und Struzza.

„Reibt euch den Schlaf von den Augen, und überzeugt euch, daß ihr wachend seid, denn ihr sollt etwas hören, was ihr kaum im Traume glauben würdet.“

Alle sahn ihn gleichgültig an. „Nun was ists denn?“ fragte Thomas und dehnte sich schläfrig.

„Nichts mehr und nichts weniger, als daß unser braver, schlauer, tapfrer Matteo — ermordet ist.“

„„Wie? — ermordet!““ lallte jeder und starrte den Hiobsboten mit erschroknen Blikken an, und Molla schlug die Hände über den Kopf zusammen und sank kreischend auf den Sessel nieder, auf welchem sie vor wenigen Minuten noch um Abaellinos Zärtlichkeit buhlte.

Es herrschte eine allgemeine Stille.

„Donner und Wetter!“ rief endlich Struzza und trat ein paar Schritt zurük.

Thomas. Von wem?