„„Wekke die Schläfer!““ brummte der Bandit.
„Ei, laß sie doch schlafen, die trägen Kerls, fürchtest du dich denn mit mir allein zu sein? Seh ich denn so schreklich aus, wie du? — sieh mich doch einmal an.“
Sie stellte sich in ihrer kleinen, runden Figur vor ihm hin, und schielte lächelnd mit lüsternen Augen zu ihm hinüber. — Molla war in der That nicht häslich; ihr Stumpfnäschen, ihr brennendes Auge, ihr blondes Haar, das hinter der Haube wild über den vollen Busen herabstürzte, der in diesen Augenblikken ohnedies nur sehr leicht bedekt war, machte sie niedlich. Allein Molla wußte auch, daß sie ein Stumpfnäschen, einen sprechenden Blik, ein blondes Haar, und einen vollen Busen hatte. Und ihr Karakter war daher — wie der Karakter der meisten Mädchen und Weiber in einem gewissen Alter, in allen Ständen. Ein Mädchen, die es ihrem Spiegel und ihren Schmeichlern glaubt, es sei schön, ist auf dem halben Wege, ihre Unschuld zu verlieren. — Molla übrigens war weder Mädchen noch Weib, sondern — — — was viele ihres Alters und Geschlechts sind.
„Aber sei doch nicht so tükkisch, lieber Abaellino!“ sagte sie und sezte sich dicht neben ihn nieder und strich ihm mit ihrer runden Hand die schwarzen Lokken von der Stirn.
„„Wekke die Schläfer!““ rief Abaellino, und stierte sie verdrüslich an.
„Ei, ich glaube gar, der Schelm will trozzen!“ sagte sie und stand auf, warf sich auf seinen Schoos, sah ihn in die Augen — und das Halstuch fiel ab.
„Bösewicht! rief sie, was machst du?“
Abaellino konnte sich des Lächelns nicht erwehren.
„Lache nur noch!“ sagte sie lächelnd und faltete die Stirn, um zornig zu scheinen, vergab ihm aber bald die nicht begangne Sünde, schlang ihre Arme um ihn und drükte ihn an sich.
„„Du bist ein gutes Mädgen, Molla!““ entgegnete er, sties sie sanft zurük und stand auf: „„in einer halben Stunde wollen wir uns beide mehr erzählen, jezt rufe die Schnarcher herbei, ich muß sie sprechen!““