Contarino. Vortrefliche Vorsäzze! wahrhaftig, wenn sie nur so schnell erreicht, als geträumt wären. — Kurz, Freunde, wir begraben entweder unser Elend unter den Ruinen der alten Staatsverfassung, oder wir befestigen dieselbe noch mehr durch unsere Todtenschädel. — In beiden Fällen erlangen wir Ruhe. Die Noth hat uns mit ihrer Geissel nun hinaufgepeitscht auf den lezten Gipfel ihres Felsen, wo wir entweder uns durch einen Geniestreich erretten, oder von der andern Seite in den Abgrund ewiger Vergessenheit und Schande hinunterschwindeln müssen. — Laßt uns izt nur raffiniren: woher Geld zu den nöthigsten Unkosten und woher Theilnehmer an unsern Plänen? Geht hin, und erobert die berühmtesten Mezzen Venedigs, auf deren Altären der Staatsmann, Mönch und Bürger opfert. Was wir mit aller Beredsamkeit, Banditen mit ihren Dolchen, Prinzen mit ihren Geldbörsen nicht vermögen, kann solch eine Phryne mit einem einzigen Blik. Wo der Wiz des Pfaffen scheitert und die Gewalt des Kriminalrichters ohnmächtig wird, kann noch ein Kus, ein süsses Versprechen Wunder thun. An dem wollüstigen Busen solcher Weiber schläft endlich die wachsamste Treue ein: ein Kus von solchem Weibe thaut der stummen Verschwiegenheit die Lippen auf und eine Schäferstunde kann die heiligsten Grundsäzze zu Grabe läuten.

Oder will euch das Glük bei den Weibern nicht wohl, oder fürchtet ihr euch selber in den Nezzen verwirren zu können, die ihr für andere ausspannt: so versuchts mit den Pfaffen. Schmeichelt den Stolz dieser Hochmüthigen, malt ihnen auf das leere Blatt der Zukunft Kardinalshüte, Patriarcheninsuln, Bischofsstäbe und Pontificalien. Ich schwör es euch, sie haschen zu, und ihr habt sie in eurer Gewalt. Sie, die Gewissensräthe der bigotten Venetianer, lenken Mann und Weib, Edelmann und Bettler, Gondolier und Dogen, Gelehrte und Laien am Zaum des Aberglaubens. Habt ihr die Pfaffen für euch: so könnt ihr Tonnen Goldes ersparen, um die Gewissen zu bestechen, denn sie handeln mit dem lieben Gott in Compagnie, und verschenken nach ihrem Gefallen bald die ewige Seligkeit bald die höllische Verdammnis.

Neuntes Kapitel.
Mollas Häuschen.

Kaum hatte Abaellino die berüchtigte That vollbracht, die nun allen Venetianern Stoff zum Plaudern gab: so entwischte er so glüklich, daß man auch nicht den geringsten Umstand vorfinden konnte, der ihn, als dem Thäter verrathen, oder die Spuren seiner Flucht entdekken konnte.

Er kam an Molla’s Häuschen — es war schon gegen Abend. Molla öffnete die Thür und er begab sich ins Zimmer. „Wo sind die andern?“ fragte er in einem wilden Ton. Molla erschrak:

„Sie schlafen schon seit dem Mittag. Wahrscheinlich wollen sie in der Nacht auf die Jagd gehn.“ —

Abaellino warf sich gedankenvoll auf einen Sessel.

„Aber du bist ja so düster, Abaellino? sieh nur, du wirst dadurch so häslich. Weg mit den Falten von der Stirn, sie entstellen dich noch mehr.“

Abaellino antwortete ihr nicht.

„Aber ich fürchte mich endlich vor dir. Sei doch freundlich du Riese! ich fange wirklich schon an dir gut zu werden, und deinen Anblik zu ertragen und“ — — —