Selten hatte man den alten Dogen heiterer erblikt, als an diesem Tage. Er war ganz Leben, die fröhlichste Laune schwebte um seinen Lippen; gnädig und herablassend lies er niemanden seine Hoheit beahnden. Er scherzte bald mit den Damen, schwärmte bald unter den Masken umher, die den Ball glänzend machten, spielte bald mit den Feldherrn und Admiralen der Republik im Schach, überwand und lies sich überwinden, bald nekte er Rosamunden, und warnte sie, ihr Herz zu bewahren.

Dandoli, Sylvio und Canari, seine treuen Freunde und Räthe vergaßen ihr graues Alter; mischten sich unter die jungen Venetianerinnen und trugen scherzend jeder ihre Liebe an, nekten und ließen sich nekken.

„Als wir vor Scardona lagen, Canari, und die Türken uns dort den Sieg so schwer machten, da waren wir nicht so vergnügt, als an diesem Abend. Nicht so?“ rief Andreas Gritti dem alten Canari zu, der in eben dem Augenblik in das Seitenzimmer hinein trat, worin sich der Doge mit seiner Nichte allein befand.

„Warlich nicht, gnädigster Herr aber es ruht sich nach solchen Arbeiten schön! — Ich denke noch immer mit frohem Schauder an den neblichten Novemberabend, da wir Scardona eroberten und den halben Mond von den Stadtmauern hinunterstürzten! Bei Gott, unsre Venetianer fochten wie die Löwen!“

Gritti. Nun, alter Kriegsgefährte, trinkt; wir haben uns Ruhe erstritten.

Canari. Ruh und Lorbeern. — O, bei Gott, ich bin glüklich und glüklich ist jeder der unter euern Fahnen gefochten. Ihr, gnädigster Herr, habt mich verewigt; wer hätte in der Welt an Canari gedacht, wenn Canari nicht mit dem großen Gritti gefochten hätte, und in Sicilien und Dalmatien die ewigen Trophäen der Republik Venedig aufgepflanzt hätte mit dem großen Gritti.

Gritti. (sanftlächelnd) Der Cyprier besticht eure Fantasie, braver Canari.

Canari. Freilich sollt ich euch nun wohl nicht gradezu den Großen nennen, und in eurem Beisein loben, aber ich bin alt, und mag mich nicht verstellen; mögen das unsre jungen Hofschranzen thun, die noch nicht im Pulverdampf da standen und für Venedig und Andreas Gritti fochten. —

Gritti. Alter Schwärmer! — wird der deutsche Kaiser auch so denken?

Canari. Wenn Karl der fünfte nicht betrogen wird, oder sein Stolz noch die Größe eines andern ertragen kann: so muß er bekennen: Ich fürchte den Gritti von Venedig, aber auch er nur allein ist mir auf Erden überlegen! bei Gott, das muß Karl.