Venetianer!

Struzza, Thomas, Matteo, Petrini, und Baluzzo, die bravsten Männer von der Welt, die, wenn sie an der Spizze einer Armee gestanden hätten, Helden heißen würden und izt als Banditen der Staatsetikette zum Opfer gebracht worden sind, existiren für euch zwar nicht mehr, aber mit Leib und Seele noch einer, dessen Name diesem Blatte unterschrieben steht. Lächerlich ist mir Venedigs Polizei, lächerlich der Stolz des schlauen Flodoard, der meine Brüder zur Schlachtbank hinschleppte. Ich lebe noch! Wer meiner bedarf, der suche mich, er wird mich allenthalben finden, wer mir verrätherisch nachspürt, wird mich nirgends sehn! — Venetianer, ihr versteht mich! Wehe dem, der mich verfolgt; sein Leben und sein Tod ruhn in meiner Hand. — Ich bin der venetianische Bandit

Abaellino.

„Hundert Zechinen!“ rief der brave Doge von Venedig: „hundert Zechinen dem, der mir das Ungeheuer entdekt, und tausend dem, der mir es liefert!“ —

Allein umsonst flogen die Spione der Polizei umher; sie trafen keinen Abaellino. Umsonst paßten jezt alle Müßiggänger, Pflastertreter, Lungrer und Banqueroteurs auf, um tausend Zechinen zu gewinnen, Abaellino machte ihren Wiz zu Schanden.

Aber allenthalben wollte man izt den Abaellino gesehn haben, der eine in der Gestalt eines Greises, der andre in der eines Knaben, der dritte in einem Weiberrok, der vierte in der Mönchskutte; es hatte ihn jeder gesehn und keiner.

Viertes Kapitel.
Das Veilchen.

Ich erzählte den Lesern im Anfang des vorigen Kapitels, daß Flodoard so traurig und Rosamunde so düster geworden wären, aber das warum? hab ich ihnen noch nicht entdekt.

Flodoard, der sonst so heiter und die Seele der Gesellschaften gewesen war, fing seit einem gewissen Tage an, ernster zu werden, und von eben dem Tage an verlor auch die fröhliche Rosamunde ihren Humor.

An diesem Tage nämlich führte die Hand des launenhaften Ohngefährs, oder die Göttin Liebe, die nun zuweilen auch ihre Grillen hat, Rosamunden in ihren Oheimes Garten, der nur den Vertrauten des Dogen offen stand, und in welchem er selber in stiller Einsamkeit oft am Abend eines schwülen Tages ausruhte.