„„Ich sage Euch, mache keinen Lärmen!““
„Hört, Buonarotti heißt Ihr? ich will mir doch den Namen des zweiten Schurken aufschreiben, den ich in Venedig kennen lernte. (Mit schreklicher Stimme) Und wenn du, Buonarotti, jemals den Namen Abaellino hören solltest, dann zittre!“
Abaellino drehte sich um und verlies den Unerbittlichen.
Zweites Kapitel.
Die Banditen.
Der Unglükliche durchkreuzte izt Venedig, er haderte mit dem Schiksal, lachte und fluchte, stand zuweilen still, als übersänn’ er einen großen Plan, eilte zuweilen fort, als flög er ihn zu vollführen.
An einem Ekstein der prächtigen Signoria gelehnt, überdachte er die ganze Summe seines Elendes. Es schien sein irres Auge Trost zu suchen, aber er fand ihn nicht.
„Das Schiksal bat mich zum Abentheurer oder gar zum Bösewicht verdammt! tief er in einer Ekstase seines Mismuths: denn warum muß der Sohn des reichsten Neapolitaners als Bettler, die Barmherzigkeit der Venetianer anflehen? Ich, der ich Geist und Kraft zu großen Thaten in mir fühle, muß hier umherschleichen und darauf sinnen, wodurch ich mir das Leben wider den Hunger bewahre. Menschen, die ich sonst satt fütterte, die an meiner Tafel im Cyprier ihre Mükkenseelen berauschten und die Lekkerbissen fremder Welttheile von meinen Schüsseln naschten, werfen mir jezt keine verschimmelte Brodrinde zu. — O, das ist abscheulich, abscheulich von Menschen und vom Himmel! —“ Er schwieg, schlug die Arme untereinander und seufzte: „Doch, nein, so ists recht, ich will alle Grade des menschlichen Elendes durchwandern, und allenthalben mir gleich bleiben, und allenthalben gros sein. — Jezt bin ich nicht mehr der Graf Obizzo, um den Neapel einst buhlte — ich bin der Bettler Abaellino. Ein Bettler! in der Ordnung menschlicher Stände der lezte, aber doch — im alphabetischen Namenverzeichnis aller Hungerer, Pflastertreter und Taugenichtse der erste!“
Ein Geräusch entstand. Abaellino horchte umher, er war den Schleicher gewahr, den er vor einer halben Stunde zu Boden geworfen hatte, in Gesellschaft dreier andern. — Sie suchten. „Und sie suchen dich!“ sagte Abaellino leise zu sich selber, und gieng ein paar Schritt vor, und pfiff ihnen.
Die Kerls blieben stehn. Sie besprachen sich unter einander und schienen unentschlossen zu sein.
Abaellino pfiff zum andernmal.