Rosamunde. (sieht ihn ein Weilchen an, zieht ihn zu sich, stößt ihn wieder zurük) Geht! geht! um Gotteswillen geht! —
Flodoard. (wandelt langsam und traurig mit untereinander geschlagnen Atmen durchs Zimmer)
Rosamunde. (schwankt ihm nach, nimmt seine Hand — sinkt an seine Brust) Flodoard!
Zweites Kapitel.
Ein fürchterliches Versprechen.
Heil dem glüklichen Flodoard, er hatte überwunden! er hielt das liebende Mädchen in seinen Armen fest, und glaubte eine Gottheit zu umarmen. Fest schlang sich Rosamundens Hand um Flodoardens Nakken; er war der ihrige, dem sie so manche Thräne geweint, so manchen Seufzer geseufzt, so manchen Traum geträumt hatte.
Dicht in einander verschlungen, standen sie da, eine herrliche Gruppe für den Pinsel einer Angelika Kaufmann — und die Engel Gottes schwebten unsichtbar über die Liebe dieser Heiligen.
Nur einmahl schlägt unter allen tausend Stunden des Lebens dem Sterblichen eine solche Stunde: Heil dem, der sie noch erwartet, Heil dem, der sie noch genießet! Man sage immerhin, es ist doch nur Gaukelspiel der entzükten Einbildungskraft, ein leicht verdunstender Rausch der Sinnlichkeit — o, nennt mir unterm Mond eine Seeligkeit, welcher die Einbildungskraft ihren Zauber nicht leiht! —
Flodoard und Rosamunde vergaßen nun zum erstenmahle, daß sie Menschen wären. Das Zimmer um ihnen her ward zum Himmel; die Erde der Altar Gottes, ihre Seufzer, ihre Küsse wurden Lobgesänge dessen, der das Hochgefühl der Liebe gab!
„Ich bin dir gut!“ lispelte Rosamunde und gedachte nicht ihrer Iduella: „ach, ich bin dir nur zu gut, Flodoard! —“
Der Jüngling antwortete nichts. Rosamunde stammelte ein leises, Ach! und Lippe glühte an Lippe, Busen stürmte an Busen, Arme hingen gewunden um Arme.