Noch den Reiz der Schöpfung saugen,
Bet’ ich dich, o Liebe, an!
Aber Rosamundens selige Laune verschwand, als der Mittag heranrükte und vorüberzog. Aengstlich wankte sie hier und dahin; ihr Herz klopfte ungestüm, in Erwartung fürchterlicher Auftritte.
Schon versammelten sich die Vornehmen Venedigs im Pallast ihres Oheims, schon war der schrekliche Nachmittag da, und der Doge sandte Iduellen an sie ab, in den großen Saal sie zu führen, wo die Herrn und Damen ihrer harrten.
„Gott! o mein Gott!“ rief sie leise: „laß alles wohlgelingen.“
Blas wie eine Leiche trat sie in das Zimmer, in welchem sie gestern ihren Flodoard Liebe bekannt hatte und Flodoard — war noch nicht da.
Die Gesellschaft war glänzend und heiter gestimmt; man sprach von Stadtnovellen, europäischen Staatsangelegenheiten. Kontarino und Grimaldi unterhielten sich mit dem Dogen; Memmo, Falieri und Parozzi standen in einem Winkel schweigend beisammen.
Draussen wars trübe und dunkel; es stürmte der Wind in den Wellen des Kanals und den Wetterfahnen der Palläste am Markusplaz; ein Regenschauer folgte dem andern.
Es schlug vier Uhr. Rosamunde ward blässer, als vorher. Gritti befahl dem Kammerdiener etwas leise ins Ohr. Man hörte bald darauf Männer von aussen wanken, und Waffen klirren an den Thüren des Saals.
Eine plözliche Stille herrschte durch die Gesellschaft. Die jungen Nobili stokten in ihren Liebeserklärungen vor den Damen; die Damen vergaßen ihre Modeneuigkeiten; die Staatsmänner starrten sich an und brachen ihre politischen Discourse ab.