Rosamunde gieng zum Herzog, sie schien ihm etwas sagen zu wollen, aber die Angst lähmte ihre Zunge, eine Thräne quoll in ihrem Auge hervor. Sie verbarg die Angst und ihre Thräne so meisterhaft, als es sich immer hier thun lies — in einem Winkel warf sie sich auf einen Sessel nieder, rang die Hände und ihre Seufzer flehten Hülfe von dem barmherzigen Gott.

Die übrige Gesellschaft trippelte in sichtbarer Verlegenheit umher; man wollte fröhlich sein, aber auch nicht einmal der Schein der Fröhlichkeit konnte affektirt werden.

So verflos wieder eine Stunde, und Flodoard kam nicht.

Jezt brach die Abendsonne lächelnd hinter den Regengewölken hervor, ein Strahl der sinkenden Tageskönigin fiel auf Rosamunden — und Rosamunde wurde, sie wußte nicht, warum? froh.

Kontarino. Um fünf Uhr wollte Flodoard den Abaellino liefern! — es sind anderthalb Stunden darüber.

Senator. Wenn er ihn nur liefert, mögen dann auch anderthalb Wochen darüber sein.

Gritti. Nein! — still! — ich höre draussen Geräusch. — —

Die Flügelthüren sprangen auf und Flodoard trat allein herein im Reisekleide und Regenmantel. Wild und wüst flog sein Haar, düster rollte sein Auge durch die Gesellschaft. Er ris den Federhut vom Kopf herab und begrüßte die Versammlung.

Alles drehte sich zu ihm hin, jeder Mund schien zehn Fragen zu haben, jedes Auge studierte seine Mienen.

„Jesus! schrie Memmo: mir ahndet was!“