„„Aber weh euch, wenn einer feindseelig wider mich handelt! Du Kerl, vergieb mir, daß ich dir vorhin die Rippen etwas zerdrükte — es soll nicht wieder geschehn! Ich will euer Gesell werden!““ sagte Abaellino.
„Auf Ehre, riefen alle; wir thun dir nichts Leides; der ist unser Feind, der dir übel thut, ein Kerl wie du, gefällt uns! komm!“
Sie giengen, Abaellino in ihrer Mitte. Mistrauisch schielte er von allen Seiten, aber in den Banditen schien kein böser Gedanke zu erwachen, Sie führten ihn seitwärts, gelangten an einen Kanal, sie banden eine Gondel los, sezten sich ein und ruderten zur entlegensten Spitze Venedigs. Man stieg aus; durchkroch verschiedne enge Straßen; klopfte endlich an ein niedliches Haus; ein junges Weib schlos auf, führte die Herrn in ein simples, aber reinliches Zimmer und beantlizte den bestürzten halbfrohen, halbängstlichen Abaellino, der noch immer nicht wußte, woran er war, und immer noch an der Sicherheit der Banditenparole zweifelte.
Drittes Kapitel.
Die Banditenwohnung.
Die drey Herrn vermehrten sich bald durch zwei Neuankommende, die ihren unbekannten Gast von allen Seiten betrachteten.
„Nun laß dich doch beschauen!“ riefen die Führer und Bekannten des Abaellino, und stellten sich beym Schimmer einer brennenden Lampe um ihn her.
„Pfui, ein häslicher Bube!“ rief Molla, so hies die Wirthin und drehte sich von ihm hinweg und Abaellino wälzte einen gräslichen Blik auf sie hin.
„Kerl, sezte ein andrer hinzu: dich hat die Natur schon zum Banditen gestämpelt; welchem Zuchthause bist du entronnen, welcher Galeere hast du Valet gesagt?“
Abaellino stämmte die Arme in die Seite. „Desto besser, sagte er mit einer heisern, fürchterlichen Stimme: so darf der Himmel zu meiner künftigen Lebensart nicht sauer sehn, wenn er mich selber dazu geschaffen hat.“
Die fünf Herrn giengen beiseite und besprachen sich mit einander; den Stof ihrer Unterhaltung können wir leicht errathen. Abaellino warf sich schweigend auf einen Sessel.