„Wie der Junge nun da schwärmen kann!“ fing der Onkel an: „aber trösten Sie sich, Herr Holder, die Welt anjezt ist einmal so undankbar, so arg — wir machen uns bei der Nachwelt Schande über Schande. Nicht dumm, nicht eigensinnig war das XVIII. Jahrhundert, werden unsre Nachkommen sagen: sondern schnurgeradehin toll war’s. Wenn ich’s so recht bedenke, mein Seel, so ärgert’s mich, daß ich nicht vier, fünf hundert Jahre später lebe — dann muß es doch alles ganz anders geworden sein. O, die glükliche Nachwelt!“
So schwazte man den Abend hin; bis die Gesellschaft aus einander schied, und jeder sich in die weichen Arme des Schlafes warf.
Drittes Kapitel.
Der Onkel beweiß’t daß er Graf sei.
Florentin schlief seit drei Jahren zum erstenmahle wieder in den väterlichen Zimmern, wo er die Freuden seiner Jugend empfand, als Kind mit der Puppe spielte, als Knabe den Nepos las, und als Jüngling hohe schwindelnde Entwürfe in seinen Träumen realisirte.
Als das Morgenroth durch die zitternden Gardinen seines Fensters spielte, sprang er auf vom Lager, wikkelte sich in seinen Schlafrok und öfnete den Flügel eines Fensters.
Wie schön die Natur nun da ausgegossen lag vor seinen Bliken, erquikt durch das vergangne Gewitter. Eine Sonne emporschwimmend hinter den fernen, blauen Waldeswipfeln; eine Sonne an jedem bethauten Hälmchen! — Jeder Strauch, jeder Baum, jedes Geländer war ein alter Bekannter; jedes Thal, jeder Hügel, jedes umbüschte Bächlein ein Mitkundiger seiner vergangner Freuden.
Nein, denkt er, nirgends scheint doch unsers Herrgotts Sonne,
So mild, als da, wo sie zuerst mir schien.
So lachend keine Flur, so frisch kein andres Grün!