„Um Gotteswillen!“ rief Florentin in eben dem Moment: „laßt mich durch, er ists! eben der Holder ists, der mir das Leben gerettet hat!“ sprachs, und hing dem erstarrten Fremdling am Halse.

„Der Teufel, was ists denn?“ rief die bewußte Basstimme, und kam näher heran.

Jeder stierte mit Augen der Verwunderung den Unbekannten an — alle standen groß und klein in einem Kreise um ihn gedrängt, und man konnte auf den Lippen eines jeden ein Duzzend bescheiden unterdrükter Fragen lesen.

„Nun was hast Du denn mit Herrn Holder zu schaffen gehabt? — das Leben, sagst Du, hat er Dir gerettet?“

„Das hat er:“ gab Florentin dem Onkel zur Antwort: „und hören Sie nur, wie? — Im Winter vor zwei Jahren lokten mich einige gute Freunde auf das Eis hinaus, um in ihrer Gesellschaft auf Schlittschuhen den zugefrornen Fluß hinunter nach einem benachbarten Dorfe zu laufen. Ich schlug es nicht ab, allein eben dieses gefährliche Vergnügen, welches so mancher Jüngling schon mit seinem Leben bezahlt hat, kostete auch mir das meinige beinahe. Als die andern schon ins Dorf gegangen waren, kreuzte ich nur allein noch auf den Spiegelflächen des Eises umher, bald links bald rechts. — Mit einemmahle fühlte ich das Eis unter mir einbrechen, und sah ich von allen Seiten durch die Spaltungen das Wasser hervorquellen. Ein Schauder überfiel mich, meine ganze Besinnungskraft war verlassen — ich sah ängstlich nach Rettung umher, und gewahrte in der Ferne einen Menschen auf dem Eise, — ich wollte ihm zuwinken, ihn um Hülfe anrufen, aber ich war schon untergesunken und in dem Augenblik bewußtlos. Und dieser Holder sah mich sinken, mit der Gefahr seines Lebens erhielt er das meinige; kaum hatte er aber dies gethan, als er sich entfernte, dem Dank auszuweichen. Aber izt dank ich ihm in der Mitte meiner Verwandten, die mich durch ihn, zurükempfangen.“

Der Onkel sprachlos vor Erstaunen und Freude umarmte den wohlthätigen Unbekannten, jeder folgte ihm darin nach, die Damen lispelten ihm etwas Verbindliches und Rikchen drükte ihm sogar die Hand.

„Nu, was zu bunt ist, ist doch zu bunt!“ rief der alte Graf, nachdem der erste Taumel vorüber war. „Wir müssen mehr davon plaudern; allons, Stühle zusammengerükt und die Pfeifen wieder angezündet! — I, i, in aller Welt, wie hätt’ ich mir das träumen lassen können!“

„Mich wundert’s nur,“ sagte die ältliche Dame; „daß Sr. Durchlaucht den Herrn Holder, wegen der glüklichen Kur, nicht in den Adelstand zu erheben geruht haben.“

„Ja wohl,“ sprach der Onkel treuherzig: „in den Grafenstand hätt’ ich den wohl erhoben, der mir das Leben gefristet hätte. Das nenn’ ich mir doch Undankbarkeit!“

„Was und wozu Adel- und Grafenstand?“ rief Florentin enthusiastisch dazwischen: „all das Flittergepuz kann doch den Mann von Talenten nicht um ein Haar größer machen. Ich gäbe meine gräflichen Insignien mit tausend Dank obendrein hin, wenn ich mir auf solche Art Welt und Nachwelt verpflichten könnte. Holder fühlt sich gewiß schon darum belohnt, weil er, und kein andrer, Holder ist. Und was es am Grabe unaussprechlich süß sein muß wenn man sagen kann: die Welt ist mir mehr, als ich ihr schuldig! —“