Alle lachten, der Baßist selbst lachte, auch der Onkel, der den bittern Scherz gern mit einem drohenden Finger bestraft hätte, wenn ihm nicht der Junge noch zu lieb und zu neu gewesen wäre.

Man stand auf. Die Spieltische wurden vorgerükt; die Pfeifen angezündet; das Fortepiano geöfnet. Jeder suchte seinen Gesellschafter: alles mischte sich von neuem durch einander. Florentin unterhielt einige Damen mit städtischen Moden, und sezte sich zugleich zum L’Hombre nieder; Bastholm und der Onkel spazierten auf und ab; Friedrike spielte ein Lied von Reichard, und der Fremde stand horchend hinter ihr auf den Stuhl gelehnt. — Kaum war der lezte Silberton des Gesanges verhallt: so lispelte der Unbekannte ihr ein: „Sie spielen vortrefflich!“ zu. Das gute Mädchen, das Modell zu einem weiblichen Bilde der Unschuld, erröthete, und erwiederte sehr naiv das Kompliment. Der Unbekannte bat sie weiter zu spielen, und das Mädchen konnt’ es ihm nicht versagen.

„Er ist ja fremd,“ dachte sie bei sich: „und blos, weil er fremd ist, darf ich ihm nichts abschlagen, warum er mich auch bäte.“ Sie spielte; alles wurde still im Zimmer; die mehrsten, welche in kein L’Hombre verflochten waren, umringten den Fremden und die Fortepianospielerin. Die Blike des Fremden ruhten auf des Mädchens Angesicht, und der alte Onkel beantlizte indessen sehr gemächlich den neuen Gast.

„Hören Sie,“ sagte der Greis, da Friedrike ausruhete: „hören Sie, Sie müssen mir die Neugier nicht böse deuten: — darf ich fragen, wie Sie heißen?“

Der Fremde ward verlegen und stokte.

„Sehen Sie nur, der Himmel hat uns so wunderbar durch den rothen Mantel einander bekannt und verbindlich gemacht, daß es unverzeihlich wäre wenn ich nicht einmal nach Ihrem Namen fragte. — Na, ich bitte Sie, wie beißen Sie?“

„Ludwig Holder.“

„I, Mordhimmeltausend noch einmahl! Ludwig Holder? Sie sind doch nicht — —“

„Ich bins.“

Alles war nun in eben der Minute aufgeflogen und um den Fremden gedrängt.