„Apropos,“ fing der alte Graf an, dem nichts lästiger war, als lange schweigen: „der Postmeister hat doch die Zeitungen schon herübergeschikt, Rikchen?“

„Ja. Nur gelesen hab ich sie noch nicht.“

„Höre Bruder Bastholm, der Erbprinz ist total kurirt, reitet schon wieder aus und manövrirt mit seinen Soldaten!“

„Weis wohl, lieber Graf; aber daß die dasigen Aerzte sich durch einen vorbeireisenden Fremdling mußten beschämen lassen, das ist doch ’ne schrekliche Blame für sie.“ —

„Nicht so sehr Blame,“ flüsterte ein junger Landedelmann über die Tafel herüber: „Wenn die Ärzte schon das meiste gethan hatten, konnte der Reisende wohl sein Heil versuchen.“

„Um Verzeihung,“ rief der Graf: „der Prinz verschlimmerte sich täglich, und die Mediciner gaben, laut den Zeitungen, schon sein Leben auf. Und dazu kömmt noch, daß der Heiland des Prinzen sehr jung gewesen sein soll!“

„Ein alter, steinalter Mann war’s,“ flüsterte jener: „ich hab’s aus Briefen. Er heißt Ludwig Holder. Sie sehen, ich weiß es genau.“

„Oho!“ fing eine der ältlichen Damen an, „ein Bürgerlicher, der Sr. Durchlaucht kurirte? unmöglich, daran sieht man’s! wenns die Hof- und Leibärzte, der Herr von G**, der Herr von F** nicht im Stande waren — —“

„Ganz recht, gnädige Frau,“ brummte eine Basstimme von der andern Seite des Tisches; „ganz recht! überhaupt, sollte man solchen herumstreichenden Quaksalbern nie das Leben einer fürstlichen Person anvertrauen, und die Renommée der übrigen Aerzte verderben lassen. Wenn ich Herzog wäre, so — —“

„So würden Sie lieber sterben,“ fiel Florentin der Basstimme ins Wort: „als sich von einem unanseßigen Arzt retten lassen! da thäten Sie, wenn Sie Herzog wären, sehr wohl daran!“