Ja wohl, wollte es Gott, ich könnte! Allein es ist unmöglich. Ihr seid mit einander in Eurer Ruhe beneidenswürdig! Mich ruft die Freundschaft meines Herzogs in kurzer Zeit wieder in die große Welt zurük, wieder zurük zu allen glänzenden Mühseligkeiten des Hoflebens. O, Bruder — mein Bruder!
„Du wirst ja schwermüthig mit einemmale!“
Ehmals war ich glüklich wie Ihr. Ehmals durchschweifte ich diese reizenden Gegenden mit sorgenloser Brust; da schwebte das Bild der Zukunft vor meinen Augen, da war ich in der Einbildung glüklich. Jezt sind meine kühnsten Erwartungen befriedigt, meiner Hofnung ist nichts mehr übrig geblieben zu hoffen; ich bin der Liebling eines liebenswürdigen Fürsten, an Ehre, Rang und Gewalt über jeden Nebenbuhler emporgestiegen — ich bin alles, bin mehr als ich als Jüngling träumte und bin — unglüklich. Wohl dem der sich mit geringeren Freuden sättigen läßt, desto armer ist er an Leiden. Wehe dem, der alle Pokäle der Freude ausschlürft, denn für ihn stehn auch alle Becher des Elendes gefüllt.
„Du bist also unglüklich? Florentin kann unglüklich sein, der einstmals mit Schiller sagen dürfte: „Aussendinge sind nur die Farbe des Geistes — Ich selbst bin mein Himmel und meine Hölle!“ „Ist das möglich?“
Leider, sag ich Dir eine fürchterliche Wirklichkeit! Doch zu wem red’ ich? — Du, Du selber, Holder, Du weißt meine schreklichen Verhältnisse am Hofe so haarklein, als ich. Du selber warntest mich durch die Federn Deiner Freunde und warntest mich fruchtlos — und Du stellst Dich verwundert? Freilich, spotte nur des Elenden, der die Stimme des Freundes in den Armen des lieblichsten Weibes vergas, — spotte nur; elender kann ich ja doch nicht werden, als ich es bin. —
„Bei Gott, ich spotte Deiner nicht!“
Und fragest doch, da Du jedes meiner Geheimnisse kennst? —
„Hast Du nie Hofnung glüklicher zu werden?“
O, doch! binnen drei Wochen, denk ich!
„Willst Du entfliehn?“