Ueberrascht, verwirrt, gerührt, lagen sich diese Guten endlich nach langer Trennung, nach vielen überstandnen Leiden einander in den Armen; sie vergaßen alles; Liebe schwamm in jedem Auge; Freundschaft glühte auf ihren Lippen; der Erde reinste Freude brannte in Ihrem Busen — der Himmel schien sie umfangen.
Im Triumf führte man den angekommenen Liebling in das väterliche Schloß; unterwegs wurden tausend Fragen gefragt, tausend Glükwünsche gewünscht, unterwegs erfuhr auch Florentin, daß Holder von Sorbenburg mit Fräulein Friedriken von Duur morgenden Tags die Hochzeit feiern würde.
„Ja, ja!“ sagte der Onkel, und lächelte schalkhaft dabei; „ja, ja, wir müssen unsern Flüchtling für die Zukunft fester binden. Ha, ha, ha! er soll uns diesmal, mein Seel, nicht entschlüpfen. — — Aber höre, Florentin, Herzensjunge, — nun Du nimmst doch den Herzensjungen nicht übel, Herr Kammerherr — höre, wie gefiel Dir Deine feierliche Einholung? he? — ja, ja! der Spas kam von dem alten, guten Onkel! ha, ha, ha, ha!“
Zweites Kapitel.
Ein Traum.
Soll ich Ihnen, meine Leser, hier die förmliche Beschreibung eines Vermählungsfestes liefern? Ihnen etwa erzählen, wie alles in trauter, ländlicher Einfalt gehüpft, gescherzt, gesungen, geküßt, und gratulirt hat? oder wie und was die Herrn vom Lande und von der Stadt beim Wein und Knasterdampf kannegiesserten, philosophirten, und wizzelten, oder die Damen, Tanten und Kousinen medisirten, beliebäugelten u. s. w. oder wie das sanfte Rikchen an diesem schönen Tage dreimal schöner als sonst war, und wie sie um die Mitternachtsstunde erröthend mit Holdern dem Schlafgemach entgegentrippelte? —
„Um Gotteswillen nicht,“ rufen die Leser und Leserinnen, welche sich nun seit Jahr und Tag im Stande der heiligen Ehe befunden haben: „Sie machen uns gähnen!“
„Beileibe nicht!“ lispeln einige unverheurathete Leserinnen, und halten den Tuch vors Gesicht: „Sie machen uns — —“
„Vor der Zeit lüstern!“ fallen die jungen unbeweibten Herrn ein.
Es sei denn. Nach vier Tagen war Saus und Braus vorüber, Holder ein Mann, Rikchen eine Frau, das junge Ehepaar im Schloß Sorbenburg eingezogen, und der Onkel, dems jezt in seinem Hause zu leer geworden, bei ihnen. —
„O Florentin, sagte Holder an einem Nachmittage zu seinem Freunde, indem sie beide im Garten auf- und niedergingen; könntest Du izt doch mit uns stets beisammen bleiben!“