Drittes Kapitel.
Zeitungen — Thränen, Flüche, Marionetten.

Der schreklichste, ängstigendste Traum, welcher je ein Menschenkind plagte, quälte jezt den Grafen: Es war ein Gewebe von Wahrheit und Betrug, welches sich nicht von einander trennen ließ.

Bald verließ ihn im Schlafe der Traumgott auf etliche Augenblikke, bald reihten sich wieder andre fürchterliche Szenen vor ihm hin, wovon er Theils Zuschauer, theils Mitspieler war; doch blieb immer ein merkwürdiger Hauptfaden durch das Ganze geflochten, so daß alle untereinander verschiedne Stükke einen gewissen Zusammenhang hatten.

So, zum Beispiel, behielt Florentin immer den Namen Vinzenz; die schwarzen Herrn waren seine steten Gesellschafter, u. s. w.

„Was erzählen die Novellen?“ fragte einer von den Schwarzen den andern, welcher einzelne gedrukte Blätter auf den Tisch warf, und den Wirth in einer Bierschenke vorstellte.

„Mancherlei!“ gab der Wirth zur Antwort, und sezte Florentinem Wein vor.

Florentin ergrif ein Blatt und las mit Erstaunen:

„Seit der Hinrichtung des Kammerherrn von Duur, und seiner Verwandschaft, sind neue gräßliche Entdekkungen gemacht worden. Die Prinzessin L** hat nämlich aus Eifersucht und Nebenbuhlerei das unlängst verstorbne Fräulein von G** mit Gift umgebracht, indeß man vorgab, sie sei am Fieber eines natürlichen Todes gestorben. Die Sache ist unterdrükt, und niemand ausser dem Herzoge und dem Hofarzt hat anfänglich davon gewußt.“ — — —

„Gott im Himmel!“ rief Florentin aus! „in was für eine Welt hast du mich gesezt. Unerhörte, schwarze Thaten! die Unschuld wird gemordet, das Laster wird gekrönt, Recht und Unrecht macht jezt keinen Unterschied mehr; die Sünden der Großen werden gepriesen; die Tükke der Finsternis nicht gebranntmarkt.“ —

Unterdessen Florentin gelesen, und dies mit tiefem Unwillen gesprochen hatte, waren mehrere Schwarze hereingetreten; sie umringten ihn, und schlugen ein gellendes Gelächter auf.