„O entehrt euch nicht durch dieses Lachen,“ fuhr er fort und fühlte sein Gesicht glühen: „entehrt seid Ihr genug, daß Ihr zum geschändeten Orden der Menschheit gezählt worden seid. Allein bei dem lebendigen, furchtbaren Gott über und um uns sei’s geschworen, bei diesen meinen Thränen, bei der Asche meiner Schwester, bei der Asche meines guten Oheims sei’s feierlich geschworen, ich will die entadelte Menschheit rächen, will Bandit werden gekrönte Teufel zu morden, Aufrührer werden, die Kette zu sprengen, welche die Tyrannei um meine Brüder schlang, Mordbrenner werden, die vom Vermögen der Witwen und Waisen erbauten Palläste niederzustürzen, niederzustürzen auf den Schädel der Blutigel des Vaterlandes! — Oh! meine Schwester, mein Oheim, — oh!“ —

Jezt trat ein Mann, schwarzgekleidet wie die übrigen, in das Wirthshaus. Er trug einen Kasten auf dem Rükken und bat die Anwesenden, die Zeche für ihn zu zahlen, wofür er ihnen die Künste seiner Marionetten zeigen wolle.

„Wein her! Wein her!“ riefen alle aus einem Munde. Der Wirth brachte dem Puppenspieler den Wein; dieser war sofort geschäftig sein Theater zu arrangiren, worauf er den Vorhang öfnete.

„Schaut’s, Ihr Herrn, schauts! die Strassen der Stadt Magdeburg, wie sie brennen und auflodern in der Glut, welche die Kaiserlichen Feldherrn Tylli und Pappenheim angeschürt. Schaut’s welch ein fürchterliches Blutbad. — Nun werdet ihr sehn, wie ein fliehendes Weib mit ihrem Töchterlein auftritt.“

Weib. Hieher, Kindechen, hieher.

Mädchen. O, Mutter, wohin flüchten wir? siehst Du’s wie dort unsre Wohnung lichterloh brennt? Hu, wie da unten die Menschen durcheinander laufen — da, da sind die Feinde; wie die Spiesse, und Gewehre und Degen am Feuer blizzen!

Weib. Sei ruhig. Steh uns Gott bei.

Mädchen. Was haben wir beide aber dem Feind gethan, daß er uns umbringen will?

Weib. Nichts, gute Unschuld, nichts. — Aber siehst Du, die grossen Herrn dieser Welt verzürnen sich, und dann müssen die armen Unterthanen für sie bluten.

Mädchen. Ach, die bösen, grossen Herrn!