Weib. Aber über uns, über den Sternen wohnt ein Richter, vor dem auch die Herrn dieser Weit erscheinen müssen. In dessen Händen schwebt eine furchtbare Waagschaale, darin wiegt er die Thränen und Blutstropfen der Unterthanen, und wehe den vergötterten Kriegshelden dort!

Mädchen. Ich habe auch viel Thränen vergossen; die thue der Richter dort über den Sternen auch in die grosse Waagschaale!

Weib. (entfliehend) O, Wehe uns Unglüklichen!

Florentin stürzte jezt vom Weine berauscht wüthend gegen den Kasten und zertrümmerte ihn mit einigen Faustschlägen. „Nein!“ brüllte er: „wehe, wehe den blutdürstigen Fürsten!

Viertes Kapitel.
Der Traum hat ein Ende.

In einem dunkeln Gewölbe, von keinem sterbenden Lichtstrahl erleuchtet, befand sich Florentin belastet mit Zentnerschweren Ketten. — Ihm hungerte, und er fand keinen Bissen Brodtes, ihm dürstete, und kein Tropfen Wassers erquikte ihm die Zunge, welche am troknen Gaumen klebte. Er versuchte es umherzutappen und fand sich angeschmiedet.

„O Gott,“ sagte er; „Welch ein Wechsel meines Lebens! Hier im dumpfen Kerker soll ich es enden? o, daß es längst beendet wäre!“

„Lange wirds wohl nicht dauern!“ brummte eine Stimme durch die Dunkelheit herüber. Florentin horchte hoch auf, und erstaunte hier nicht ohne Gesellschaft zu sein.

„Wer bist Du?“

Vinzenz; eben der, der Ihr seid; ich schrieb ein Trauerspiel wider den Despotism der Fürsten, und Ihr, Vinzenz, Ihr sprachet wider Fürsten — beide sizzen wir also auf fürstliche Gnade, bis an unser Lebensende.“