„Ei, ei,“ sagte der Onkel: „ei, ei, Du mußt einen bösen, bösen Traum erschlafen haben!“

„Freilich!“ entgegnete Florentin, und zweifelte, ob er nicht eben jezt träume?

„Nun, was hat Dir denn geträumt?“ hub Rikchen an zu fragen, allein sie erhielt von ihrem Bruder eine unbestimmte Antwort. Er fürchtete ein Wort zu sagen, denn der Eid schwebte ihm noch immer auf der Zunge, welchen er im Angesichte der schwarzen Brüder geschworen.

Nie hatte er ähnliche Qualen ausgestanden, und nie hatte er eine so reine himmlische Freude gefühlt, als in diesem Traume. Eine stille Sehnsucht war in seinem Herzen zurük geblieben nach den schwarzen Freunden; sich von siebenzig uneigennüzzigen Männern umarmt zu sehn, welche Wonne für Seelen, die den Werth der Freundschaft kennen! — Er konnte seine Sehnsucht nicht verbannen, sich nur noch einmal in ihrer Mitte zu sehn; der Gedanke, daß Hunderte ihr Leben für ihn lassen würden, hatte zu viel Beruhigendes für ihn. Wahrscheinlich trug hiezu seine jezzige, kritische Lage nicht wenig bei; was hatte er dann vom Herzoge zu befürchten, wenn die Durchspäher aller Geheimnisse sein Intresse zu dem ihrigen machten? —

„Und ists auch nur ein Traum, o so soll er mir dennoch heilig bleiben, ich habe nie in der wirklichen Welt seeliger geathmet.“

So dachte er oft in sich, aber niemanden verrieth er das schauerliche, schöne Meisterstük seiner Fantasie, welches den tiefsten Eindruk auf ihn gemacht hatte.

Noch einige Tage blieb er in der Mitte seiner Lieben; die ihm vom Herzoge gegebne Frist war ihm schneller verflossen, als das Hirngespinst von zween Stunden.

Eines Abends, da der Onkel schon und Rikchen längst in den Federn vergraben lagen, saßen Florentin und Holder noch spät auf. Sie unterhielten sich über manche intrikante Materien, über die Reise des leztern nach Italien, über das Verhältniß des erstern am Hofe, und endlich auch über die Unbekannten.

Plötzlich, wurden sie durch ein lautes Pochen gestört. In wenigen Minuten traten drei Offiziere von der Herzoglichen Garde herein, die sich mit drei Worten wegen ihres späten Besuches entschuldigten, und dem Grafen ein versiegeltes Papier im Namen Sr. Durchlaucht des Herzogs überreichten.

Duur las und wurde blaß.