Sechstes Kapitel.
Der Onkel in der Komödie.

Wie die lieben Leutchen nach diesem Auftritte geschlafen haben mögen, können sich die Leser leicht vorstellen. Der gutherzige Alte kalkulirte die halbe Nacht hindurch, entwarf hundert Pläne, und verwarf sie wieder, und konnte keinen festen Entschlus fassen.

Um ein Uhr in der Nacht hörte er drei Pistolenschüsse fallen. Sie geschahen oberwärts in Holders Zimmer; man wars von ihm schon seit einigenmalen gewohnt, und er gab vor, daß er das Echo bemerken, oder nach Vögeln schiessen wollte. Der Onkel lies sich nicht stören und schlief ein.

Das arme Rikchen wagte auch beim Frühstük folgenden Morgens nicht viel zu sagen; der Graf blies nachdenkend seinen Kanasterdampf von sich und lies oft seine Tasse kalt werden. Holder war noch nicht erschienen.

Mit einemmale hörte man Pferde in den Schloshof hereinsprengen. „Wenns doch Florentin wäre!“ rief der Alte, und stand auf; „wenn ers doch wäre!“ sagte das Fräulein lebhaft, und flog und ris das Fenster auf.

Der Graf. (eilig) Ist ers?

Rikchen. (traurig.) Ein Knecht mit zwei Reitpferden. (Pause) Ach, Gott! Onkelchen, er fragt nach Holdern! —

Der Graf. (bestürzt) Nach Holdern?

Rikchen. (mit Thränen im Auge) Holder will fort!

Holder. (der zur Thür völlig angezogen hereintritt) Ja, das will ich, muß ich. — Guten Morgen, Herr Graf, guten Morgen, gnädiges Fräulein! (küßt ihr die Hand.)