Drittes Kapitel.
Der arme Florentin!

Der alte herzogliche Geheimerathspräsident von Hello, ein Mann von namenlosem Stolze, und eben so großer Bigotterie, kam aus einer Seßion, als ihm unterwegs ein Gedanke beifiel, welcher seine nähere Aufmerksamkeit zu verdienen schien; und dieser betraf nichts geringers; als daß er den Grafen zu seinem Schwiegersohne erwählen wollte.

Agathe, sein Fräulein Tochter, hatte oft des Grafen sehr wohlwollend erwähnt, bald seinen angenehmen Wuchs, bald seinen männlich-schönen Teint gelobt, da sie übrigens sehr ungern etwas gutes und liebenswürdiges außer ihrer kleinen, etwas misgewachsnen Person zu finden glaubte.

Sie war das einzige Kind des Präsidenten, und hatte übrigens alle Lebensmaximen desselben geerbt, mit welchen sie eine halbvertuschte Coquetterie verband; der Vater liebte sie daher mit Affenliebe, ihre Gebrechen verwandelten sich in seinem schonenden Auge zu Schönheiten, die Summe aller Tugenden seiner Ahnen und Ahninnen glänzten ihm von seiner Tochter wieder entgegen.

„Du scheinst mir, sagte er lächelnd, Du scheinst mir den Grafen von Duur nicht zu hassen, Agathchen?“

Agathe. Wie fallen Sie auf den?

Präsident. Heut zum erstenmahl zog ich seine Person genauer in Betrachtung.

Agathe. Und?

Präsident. Ich fand einen feinen, gesitteten Mann, der da Ehre zu geben weis, dem Ehre gebührt.

Agathe. Ein geringes Verdienst, wahrhaftig!