Der Graf war ungemein heiter; eine liebliche Ahndung umschwebte ihn; er wandelte bald einsam unter den hohen, finstergewölbten Linden, durch welche das Licht der Abendröthe zitterte, bald nekte er die Damen.

Es wurde später; die hohe Gesellschaft entfernte sich, der Herzog sowohl, als seine Frau Mutter, und der Schwarm von Räthen, Kammerherrn, und Hofdamen. Nur Florentin blieb, und wußte nicht warum? er fühlte sich seeliger, als je, und wußte nicht warum? — —

Sinnend ging er durch die Alleen, an den Kanälen umher, unter den duftenden Orangerien; oder er bestieg die Terrassen, verweilte bei den Fontainen, oder besuchte das Chor der im Mondglanz schimmernden Marmorstatuen. Und überall, wo er ging, wo er stand, umschwebte seine Seele ein süsser Name, ein süsses Bild, welches beides er um kein Fürstenthum gern verloren hätte. — Er liebte, liebte vielleicht glüklich; die ernste Vernunft wagte es freilich wider diese Empfindung zu streiten, aber blieb gegen ihren Zauber zu schwach.

Florentin liebte die schöne Schwester seines Herzogs, die Prinzeßin Louise.

„Wehe Dir, Florentin!“ rief oft sein Genius ihm ins Ohr: „Deine Liebe wird schreklich enden. Warum schwindelst Du vermessen über Stand und Würden hinweg? Wie manches Mädchen, gleich schön, wie Louise, und ganz zur Liebe gebaut, wie sie, Dir im Range gleich, öfnet ihre Arme Dir entgegen? — Warum wählst Du von allen Wegen den Gefahrvollsten? — Dein Herabsturz wird eben so schreklich sein, als Dein Emporsteigen dir izt schmeichelhaft ist!“

Florentin hörte die Stimme des warnenden Geniusses; aber der dazwischen tönende Name Louisens füllte Ohr und Seele und lies für alles übrige keinen Raum. Jedes im Abendwinde zitternde Laub schien ihn zu lispeln; jeder Strahl des Mondes ihn auf die rinnende Welle mit Goldschrift zu mahlen; jedes Blumenbeet absichtlich in einem L. die schönsten Blumen blühen zu lassen.

Nein, nein, es ist nicht die Willkühr des Menschen in der Liebe, sondern die Hand des Verhängnisses, welche gewaltsam die Fäden unsers Schiksals zerreisst und an einander knüpft, und Seelen Seelen entgegenführt. Wer kann dem Fatum widerstehen, und besonders wenn dasselbe uns in so weiche Fesseln schlingt! — — Spreche doch keiner vom freien Willen; wer ist wohl frei in der Wahl eines zu liebenden Gegenstandes und frei, wenn er liebt, der süssen Leidenschaft zu entsagen?

Florentin, Dein schwarzer Dämon ruft Dir das Wehe! zu, ich spreche: Heil Dir, der Du izt in angenehme Träumerein verstrikt, die ganze Seeligkeit des Lebens fühlst, und in banger Wollust Freuden ahndest, welche die Freuden des Himmels begränzen. — Deinen trüben Stunden kannst Du doch nicht entrinnen!

Es war neun Uhr vorüber, und der Abend viel zu schön, als daß die rasche, feurige Louise sich schon in ihr Kabinet hätte einkerkern sollen. Ueberdies erfuhr sie durch ein Ohngefähr, daß der Graf von Duur im Schlosgarten geblieben sei, wo man ihn noch vor einer Viertelstunde gesehen haben wollte. Dieser Zufall hatte mächtigern Reiz, als alle übrige Lokkungen des schwülen Sommerabends. Einsam war sie; der Flügel des Palasts, den sie bewohnte, sties an den Garten, — nichts war hier also ein Hindernis um ungestört dahin fliegen zu können; und eine sonst unbescholtne Person ihres Ranges ist über niedrigen Verdacht erhaben.

In einem leichten Nachtgewande, eine Enveloppe um sich geworfen, ging sie hinaus;