Graf. (ihren Arm dichter umschliessend) Nur die Einzige!
Louise. Wahrhaftig, Graf, sie treiben Ihre Galanterie auf Unkosten der ganzen Damenwelt zu weit. — Sie haben doch wahrscheinlich schon geliebt?
Graf. O, der Name Liebe begreift viel in sich! doch so ganz geliebt, was sich lieben nennen läßt, noch nicht.
Louise. Sie bürden meiner Leichtgläubigkeit zu viel auf. — Und Sie kommen hieher an den Hof, wollen hier noch keinen Gegenstand Ihres Gefühls gefunden haben — nennen mich noch als den einzigen — —
Graf. Der von allen — — allen geliebet wird.
Louise. Das Wort Liebe, faßt viel in sich, bedenken Sie ihr Gesagtes wohl!
Graf. Vielleicht wäre: angebetet besser gesprochen.
Louise. (indem sie um sich her sieht) Aber, Graf, wohin haben Sie mich geführt? Mir graut in dieser Wildniß, lassen Sie uns nach dem Schlosse zurükgehn.
In der That waren beide jezt in einem zum Schloßgarten gehörigen Wäldchen, das allein für die Schwärmereien der Liebe oder Andacht da hingepflanzt zu sein schien.
Vor ihren Füßen dehnte sich ein kleines Thal; dessen Anhöhen von allen Seiten mit hohen und niedern Gebüschen bedekt waren. Zur rechten hob sich im Schimmer des Mondes eine Eremitage, auf deren mit Tannenreisern bestreutem Giebel ein Kreuz glänzte.