Eichen, Fichten und Eschen sumsten im Abendwinde feierlich ihre eintönige Melodie; eine Nachtigall hüpfte im nahen Hollunderbusche von Zweig zu Zweig und sang den Gesang der Liebe.

Der Graf und die Prinzessin standen still, beide einander gegenüber, Auge in Auge gesenkt, Hand in Hand geschlossen. — Sie verstanden sich. Der Graf fühlte Louisens Liebe in dem sanften Druk ihrer Hände, welche halb die seinigen einschlossen; ein leiser, kaum gewagter Gegendruk verrieth an Louisen Gegenliebe. Sie sprachen nicht; ihre Blikke waren getreuere Dollmetscher ihrer Empfindungen. — Florentins Odem flog immer schneller; sein Herz schlug heftiger; es wurde ihm alles zu eng. Louisens Busen stieg und sank, von der süßen Leidenschaft empört, welche sekundenweis durch Einsamkeit und Anschaun des schönen geliebten Jünglings wuchs.

Ein halbunterdrükter Seufzer entschlüpfte ihr; sie lehnte sich vertraulich an den Grafen und sprach mit lispelnder Stimme, indem sie mit unnennbarer Anmuth zu ihm heraufsah: „ich bin ermüdet!“ Duur breitete ein seidnes Taschentuch über ein benachbartes Bänkchen und nöthigte sie zum Niedersizzen. Die Banke, durch Alter und mannigfach Witterung vermorscht, war nur halb zum Gesäß tauglich, und ließ dem Graf keinen Platz übrig. Er sezte sich also auf die Erde zu Louisens Füßen nieder, ergrif ihre Hand und ließ die seine auf ihrem Schooße ruhen.

„So saß ja wohl Hamlet, hub sie lächelnd nach einer Weile an, neben Ophelien?“

„„Eben damals, erwiederte Duur, eben damals als er sagte: hier ist ein Magnet der stärker zieht. — Oh, daß ich nicht Hamlet bin, oder was er war!““

„Warum?“

„„Ihnen statt dieser Bank einen Thron anbieten zu dürfen.““

„Wahrhaftig, die galanteste Naivetät, welche mir je vorgekommen ist. Aber wie wenn ich, zufrieden mit der Bank, den Thron ausschlüge?“

„So wäre auch ein königlicher Thron für Sie nicht belohnend; der Kaiser mag es mir daher in Gnaden vergeben, wenn ich seinen Thron Ihnen feil biete.“

„Graf, Graf, warum sind Sie so verschwenderisch mit Königreichen, und warum erlauben Sie mir nicht das schmale Plätzchen dieses Bänkchens? Macht denn Titelpracht und Goldglanz seelig? Das sollten Sie doch wissen, wenigstens von mir nicht glauben. Sehn Sie, diesen schönen Abend, die reinen Empfindungen welche in mir die lieblichste Stimmung der Seele hervorbrachten, und diesen Siz, vor welchem sich mir die reizendsten Naturszenen entfalteten, würd’ ich um den Namen einer Königin nicht vertauschen.“