Louise. (die Hand zurükziehend) Graf!
Florentin. (sie wiedernehmend) O, Louise, hat es die Prinzessin gehört, was ich Ihnen nur sagte.
Louise. Graf!
Florentin. Wird die Fürstin zürnen, daß ich — Louisen liebe? —
Sie antwortete nicht, so gern sie wollte. Duur lag auf seinen Knien vor ihr; sie starrte ihn mit schwimmenden Augen an, und neigte ihre Stirn gegen die seine.
Ihre linke Hand ruhte auf seiner Schulter, die rechte hielt er fest in die seinige geschlossen; Er wartete einer Antwort entgegen und sie kam nicht. Seine Lippen berührten ihre Wangen — er küßte — und fühlte einen leisen Gegenkus. —
Amor siegte und schwang sich lächelnd über das liebende Paar empor; er sah eine Prinzessin in den Armen eines Grafen liegen, und das wollustathmende Mädchen und der liebeglühende Jüngling kannten keinen Rang, keinen Unterschied.
Gefühllosen Seelen würd ich mit dem Ausmahlen dieser glüklichen Situazion Langeweile erregen, und denen, die glüklich geliebt haben, oder noch lieben, rathe ich, um mir Raum zu ersparen, ähnliche Szenen die sie selber empfanden, dieser unterzuschieben.
Es wurde später. Berauscht an allen ihren Sinnen merkten sie nicht den Anzug der Mitternachtsstunde; nur das Ohngefähr einer dem Mond vorübergleitenden Regenwolke, die plözlich daraus entstehende allgemeine Düsternheit scheuchte die Prinzessin in ihrem Liebestaumel auf.
Florentin war indeß Meister von dem Strumpfbande geworden, welches Louise noch immer in der Hand gehalten hatte. Sie verlangte es zurük, Duur aber versagte es schmeichelnd; er bat es sich als ein theures Angedenken dieses Abends aus, oder wünschte es mit eignen Händen selber dem schönen Knie umwinden zu dürfen, dem es zugehörte.