Der Streit für und wider Aufklärung,[5)] für und wider die Rechte des Fürsten in Glaubenssachen und besondere in Hinsicht der veralteten symbolischen Schriften, scheint anizt lebhafter zu werden.

Nähern Anlaß gab hiezu die bekannte Schrift des Herrn Rönnberg über symbolische Bücher im Bezug aufs Staatsrecht, eine Schrift, welche beiweiten nicht das zu bewirken im Stande, ist, weswillen sie der Herr Professor vielleicht drukken, und ein Rescript vom Hofe sie den Geistlichen im Preußischen Lande kommunizieren ließ. —

Würdige, einsichtsvolle Männer schwiegen bisher über den berührten Punkt nicht, besonders lesenswerth war Herrn Prof. Trapps Untersuchung der Gewalt protestantischer Fürsten in Glaubenssachen, und das früher erschienene Werk über das Recht protestantischer Fürsten unabänderliche Lehrvorschriften festzusezzen, und darüber zu halten, vom Hr. Hufeland. Allein das Rönnbergische Buch erregte ziemlich allgemeinen Unwillen wider seinen Verfasser, und ich weiß nicht, ob der alte Preußische Landprediger, welcher sich, in seinem Sendschreiben an den Hr. Hofrath Rönnberg, in einen feurigen jungen Mann verwandelt, ganz Unrecht hat, wenn er dessen Schwächen, deren Anzahl nicht gering ist, mehr mit Wiz angreift, als sie einer ernsthaften Prüfung werth zu halten.

Dies beiseite gesezt, wünscht jeder Biedre und Unpartheiische bei solchen Zwisten unter den Gelehrten mehr Bescheidenheit, als Grobheit, mehr Wahrheitsliebe, als Selbstsucht, und Toleranz auf beiden Seiten. Es entehrt die Würde des deutschen Schriftstellers, Kriege zu führen, wie Zimmermann und Bahrdt, welche das Uebel, statt zu verringern, nur vergrößern, und in andrer Hinsicht verehrungswürdige Männer dem entehrenden Gelächter des Pöbels preisgeben.

Noch sind wohl nie die Schriftsteller unsers Vaterlandes, noch wohl nie die Schriftsteller andrer Nazionen, so tief von ihrer Würde herabgesunken, als seit wenig Jahren die deutschen. Wer kann zum Beispiel das neulich erschienene Pasquill: Bahrdt mit der eisernen Stirne, ohne Ekel und Verdruß durchblättern? Fürwahr ein Zuchthäusler würde mehr Gefühl für Schande und Ehre, als der Sudler dieser Skarteke haben. O Fischart und Rabner, lebtet ihr noch!

Drittes Kapitel.
Supplement zum Vorigen. — Ein Schrek.

Florentin verlies den Herzog. Nach acht Tagen wurde er wieder zu ihm berufen, wo er von diesem zu seiner lebhaftesten Freude seinen Sieg erfuhr. —

Jezt unterhielten sich beide über die zwekmäßigsten Mittel, das Volk zu einem solchen wichtigen Schritt vorzubereiten; eine Unterhaltung, welche nicht fruchtlos ablief.

Die erste Folge derselben war, daß die vakante Stelle eines Predigers an der Hofkirche durch einen gelehrten, helldenkenden, beredsamen Mann besezt wurde, dem die Freiheit gegeben war von dem bisherigen Schlendrian abzuweichen, nur Christusmoral und nicht polemische noch dogmatische Säzze zu predigen.

Nach Verlauf eines Monats hatte er sein Amt angetreten, und von Neugier oder beßrer Ueberzeugung hingerissen, eilte ein grosser Theil der Residenzbewohner hin, die schönen Vorträge dieses Mannes anzuhören.