Florentin trat herein — sie sah den Jüngling, und ihre bleichen Wangen färbten sich unter dem Rosenpinsel der Schaam und Liebe.
Er bat um Verzeihung einen nicht frühern Besuch abgestattet zu haben, aber Auguste selber entschuldigte ihn indem sie lächelnd sagte:
„Sollten Sie jeden Bekannten am Krankenbette besuchen müssen, so würden Sie ja nie heiter werden. Aber mir verzeihen Sie es, daß ich Ihnen vielleicht einige trübe Minuten verursache.“
Florentin. Sie beschämen mich, gnädiges Fräulein; meine Nachläßigkeit, mein Leichtsinn sind mir kaum zu vergeben.
Auguste. Sehr gern zu vergeben, denn ich spielte eine unbedeutende Rolle in der Geschichte Ihres Lebens; allein Sie in der meinigen eine größere, ohne dass Sie darum wußten.
Florentin. Dürft’ ich darum nicht wissen, vortrefliches Fräulein?
Auguste. Nein, so ist es und war es vielleicht besser. Aber ich hatt es mir vorgenommen, Ihnen es einst — und wär es auf meinem Todtenbette — zu bekennen, oder sollt’ ich zu früh aus diesem Leben gegangen, sein, würden es diese Papiere gethan haben.
Florentin. (verwirrt) Gnädiges — — Fräulein — —
Auguste. Ich stehe am Rande des Grabes, getrennt von allen Freuden, allen Leiden dieser Welt, ohne Gram, ohne Sehnen; kein Wunsch keine Hofnung bleibt hier zurük, und deswegen red’ ich offen zu Ihnen, wie ich mirs lange schon vorbehalten hatte.
Florentin. Mögten sie noch lange mit uns bleiben!