„Weinen Sie nicht!“

Auguste. Und wenn Du — wenn Du wüßtest! o Gott!“

„Nein, Prinzessin, wenn ich bitten darf, so schweigen Sie. Ich habe mich losgerissen von allem was irrdisch ist, mein Blik ist auf die Pforten der Ewigkeit gerichtet, meine Wünsche, meine Hofnungen streben nach jenem Jenseits.“

Die Prinzessin schwieg. Auguste v. Gülden sank in einen sanften Schlummer.

Am folgenden Morgen fühlte sie sich so heiter, so erquikt, daß alle ihre Genesung hoften.

„Nein,“ sagte sie: „freut euch nicht; es ist nur das lezte Auflodern des verglimmenden Lebenslichtes.“

Sie lies sich noch einmal zum Fenster hinführen, wo sie eine vortrefliche Aussicht über einen Theil der Stadt und über den ganzen Schloßgarten hatte.

„Nun lebt wohl:“ sagte sie, indem ihr schmachtender, matter Blik bei jeder Staude, jedem winkenden Halme zu verweilen schien: „lebet wohl, ihr schönen glüklichen Gegenden, an deren Reiz ich so oft mit trunkner Seele hing, die ihr mich so oft in angenehme Hofnungen einwiegtet, mich so oft nach Leiden und Thränen beruhigtet! — ja, Gott ist die Quelle des Schönen, darum freue ich mich des gelobten, bessern Lebens nach dem Tode! — — Alles, alles ist schön! alles, alles gut!“ —

Darauf ließ sich die Liebenswürdige zu ihrer kleinen Büchersammlung führen, wo sie fast jedes Buch noch einmal ansah und durchblätterte, dann nahm sie einige Papiere aus dem Schreibepult, liess sich zu ihrem Sterbelager tragen, wo sie denn von mehreren Freundinnen und Freunden den zärtlichsten Abschied nahm, und jedem bei seinem Weggehn mit gebrochner Stimme nachrief: „weinet nicht, denn Gott ist unser, unser ist das Loos der Freundschaft; was bedarf es mehr, um den Traum des Lebens schön zu träumen?“

Ihrem Wunsche zufolge, erschien auch nach einigen Stunden der Graf Florentin von Duur. Sie hatte es so zu veranstalten gewußt, daß niemand ausser ihrem Vater bei dieser Szene zugegen war, und ihn mit den Worten vorbereitet: „Wundern Sie sich nicht, lieber Vater, über das was Sie izt hören werden.“