Nun sinken sie alle ein, die schönen Fantome meiner hoffenden Liebe; nun verdüstern sie sich, die lächelnden Paradiese, welche meine Einbildungskraft in frohen Augenblikken hinzauberte. Nun ist für Augusten keine Freude mehr! —

O Louise, Du hast ihn mir geraubt, Du, die sich meine Busenfreundin genannt hat, ihn der den Traum meiner Tage allein versüssen, konnte: Hast ihn mir geraubt, die Du so vieles besizzest, von einem Herzogthume angebetet wirst, hast ihn mir Armen geraubt, die da nichts, als ein weiches, empfindendes Herz zum Eigenthume hat. Bist Du nicht reich genug gewesen, mußt Du auch die Bettlerin um ihren Schaz plündern?

Verlange nicht stolze Habsüchtige, daß ich Dich noch liebe; fordre nicht Besiz eines Herzens, nach dem Du mit giftigen Pfeilen zieltest. O mit räubrischen Händen entwandst Du mir ein Heiligthum, und ich soll Dich lieben? — Nein, nein, die kühnsten Widersprüche der Natur mögen sich in Harmonien auflösen; der Raubvogel in den Lüften seiner Antipathie vergessen; liebend neigen die Bewohner des Paradieses die Behausungen der verdammten besuchen, nur nimmer wird meine blutende Seele der Deinigen in Eintracht begegnen!

Ha, Fürchterliche, wisse, das Glük der Liebenden zerstören, heißt den Grundstein der Schöpfung verderben. — Heilige, reine Liebe konnte nimmer in einem Herzen, wie das Deinige, ihre Wohnstatt aufschlagen, aber nimmer müsse Dich auch ihr leisester Odem beseeligen. — Nie umarme dich eine liebende Gestalt; finde nie deinen Himmel auf den Lippen eines Jünglings. Geh, geh, suche bei der ewigen Güte Erbarmen, und finde es nicht; geh, geh! — —

* * *

Nein gute Louise, vergieb, ich habe gesündigt; habe Dich gelästert und Du bist eine Heilige! — Ich bin so unglüklich, o, so, unglüklich, dein Zorn mache mich nicht elender!

Wie doch alles so wunderbar im menschlichen Leben an einander gekettet, und durch einander gewirrt ist! und das alles, alles ist weiser Plan des weisesten Wesens? —

Ich bin ja eine Sterbliche; Leidenschaft und zartes Gefühl sind mir angeschaffen, die Schönheiten der Welt sind ja auch für mich vorhanden; und doch bin ich ausgestoßen aus der Zahl froher Wesen? — die Freude und das Jauchzen der wonneberauschten Kreaturen ist ein Lobgesang auf die Güte des Himmels, verherrlichen meine Thränen den Himmel auch? — was hat denn meine Seele verbrochen, welches sie abbüssen müsste, warum bin ich so verlassen?

Ich ergründ es nicht, und werd’ es nie ergründen!

Seid glüklich, ihr schönen Seelen, Auguste findet ihre Ruhe in den Thränen der Schwermuth; euch umfasse ein blühender Busch, geheime Küsse zu verbergen; mich verdekke ein sterbendes Gesträuch, das sein trauriges Lispeln in meine Seufzer mischet.