Bricht das Licht des Morgens empor, so verscheucht es melancholische Träume von meinen Augenwimpern, und ladet zum Weinen ein; umschleiert die Nacht mich, so sink ich an ihren Busen um ungestörter zu jammern. — Seid glüklich, ihr meine Mitgeschöpfe, ich bin es im Leiden. Ewigkeit ist unser Loos nicht; meine Thränen werden einst versiegen!

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Nein, nein, ich will sie nicht mehr hören, jene bangen, furchtbaren Ahndungen, ich will sie alle verbannen. Die Hofnung steigt vom Himmel herab, lächelt und bringet mir Trost. Furchtlos sollen meine mattgeweinten Blikke auf die Leiden hinsehn, die mir bestimmt sind, vergebens sollen sie mich verfolgen. Eine Freistätte öfnet sich mir, eine Freistätte, an deren Pforte die Furien des menschlichen Lebens zurükbeben, und die ihnen entrinnende Beute unverfolgt lassen. — O, Tod, dies ist dein Tempel!

Die Nebel zerrinnen, mit welchen die furchtsame Einbildungskraft der Sterblichen deinen Vorhof umlagerte; eine wohlthätige Gottheit schwebst du aus diesen Finsternissen hervor, und strekkest dem zitternden Verlaßnen deine Arme entgegen. Mit ewigem Lichte ist dein Thron umringt, ihm zur Seite glänzt die majestätische Wahrheit, die holde Ruhe, der liebenswürdige Friede herrschen hier, und bieten dem schüchternen Ankömmling ihre Zauberschaalen. Abgemattet von dem mühevollen Lebenslaufe trinkt der Mensch den dargebotnen Trank, und weggeschwunden sind jeder Harm und selbst die wehmüthige Erinnrung.

O Menschen, Sonderbare, Unerklärliche! warum mahlet ihr der Gottheit süssestes Geschenk mit so schauerlichen Farben? — So manche Noth drükket euern Miterschafnen, geheimer Kummer nascht mit gefrässigem Zahn an der Wurzel seines Lebens und ihr weinet über seinen Leichnam?

Freuet euch, meine Lieben, wenn der gefällige Tod des Lebens Bürde von mir nimmt; bedekket meinen Leichnam nicht mit einem düstern Tuche, worin die Hand des Künstlers das Bild der Verwesung gezeichnet hat. Zündet um meiner Baare keine Todtenfakkeln an, deren blasser, zitternder Glanz, wenn er sich mit grauenvoller Dunkelheit gattet, die Seele des Zuschauers beben macht. Begleitet mich nicht in langen Trauergewändern, mit erdwärtsgesenkten Blikken zu Grabe. — Nein, umkränzet mir lieber das Haupt mit Blumen, wünschet der Entschlummerten Glük, und senket mit Lobliedern auf den Tod den Leichnam in die mütterliche Erde. So ehret ihr den Triumf eurer Freundin! —[6)]

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Louise, Du fragst, warum Augustens Wangen verblassen? — verblassen sie wirklich? wohl mir, dies ist der erste Kus des Todes. Ich fühl es, meine Kraft ist vertroknet, meine Hofnungen glüklicher Lebensszenen sind verloschen, Gustaf winkt. —

Lebt wohl, ihr die ihr mich lieb hattet, lebt wohl. Und Du, Florentin, sei glüklich. Dich nur liebt ich allein auf dieser Welt, — Dich hatte ich mir zum Ersaz vieler Thränen auserkohren Dich hätte ich nicht für die ganze Pracht einer königlichen Krone vertauscht, und Dir entsage ich izt.

Sprach man von den schönsten Werken des ewigen Schöpfers, so dachte ich deiner; sollte sich meine Andacht vor heiligen Altären zum höhern Fluge beflügeln, so dachte ich deiner — nannte man die Freuden eines künftigen Lebens, Florentin, so dachte ich deiner, und dir sag ich izt das Lebewohl! Nur einen Wunsch gewähre mir das Schiksal, daß Florentin einst, wenn ich schon von dem Irrdischen entfesselt, hinübergegangen bin in die Wohnungen der Ruhe, diese Blätter lesen, mich noch mitleidig betrauern mögte, oder daß er mir an meinem Sterbebette noch diese Klagen vorlesen, und ich seine Wehmuth sehen dürfte! Oh, ich habe vielleicht zu viel gebeten, vielleicht — —