Florentin ging zur bestimmten Stunde, wurde vorgelassen und fand Louisen auf ihrem Sofa blas, schwermüthig, und wie aus tiefen Gedanken aufgeschrekt, sizzen.
Er küßte zitternd ihre Hand und fragte um ihren Befehl. Sie schwieg eine Weile, bat ihn sich nieder zu lassen, ging darauf schweigend in dem Zimmer auf und nieder und warf unterweilen einen traurigen Blik auf ihn.
„Nicht wahr,“ sagte sie endlich, indem sie am Fenster stehn blieb, mit weggewandten Gesicht: „wir haben am Fräulein v. Gülden viel verloren?“
Florentin. (einen Seufzer unterdrükkend) Ja, bei Gott unendlich viel.
Prinzessin. Wer wird jezt ihren Plaz ausfüllen können?
Florentin. Ich wüßte kein Mädchen von so sanftem liebenswürdigen Karakter, von solcher Treue, solcher Verschwiegenheit.
Prinzessin. Sie haben Recht. Aber meinen Sie daß wir jezt einer solchen Vertrauten entbehren könnten? meinen Sie Graf?
Florentin. Eher vielleicht das Geheimnis unsrer Liebe einer Verrätherin offenbart würde, eher dächt’ ich — —
Prinzessin. Es wäre wenigstens zu wagen; denn bester Graf, in kurzem sind wir Beide verrathen.
Florentin. (erschrokken) Verrathen?