Florentin. (schweigt, wie oben.)
Prinzessin. Hätten wir uns nie gesehen, hätten wir uns gehasset, statt zu lieben, hätten wir nie, ach nie den giftigen Kelch der Wollust genossen! — — Florentin, sieh mich an. Sieh nicht so starr vor dir hin, presse nicht die Lippen so zusammen, — komm, heitre dich auf, lächle. Ich bin unglüklich, aber doch nicht allein. Du bist elend aber es doch nicht allein; zu jeder andern Stunde, ein fürchterlicher Trost, jezt aber namenlos süs.
Florentin. (giebt keine Antwort)
Prinzessin. Ein unglüklicheres Loos konnte nicht auf mich fallen, als gefallen ist. Wär’ ich die ärmste Dörferin dieses Herzogthums, ich wäre glüklicher; es würde sich ein mitleidiger Hirt finden, der mich Verstoßne aufnähme; wir würden uns lieben dürfen, ohne daß die ganze Welt auf unsre Liebe sähe; doch es ist geschehn.
Florentin. (sich ermannend) Es ist geschehn, theuerste Louise, es ist geschehn. Ich stehe fest. Ich seh’ es voraus, der Staat wird für diese Liebe mein Blut fodern, ich will es ihm nicht verweigern; nur Louisen mögt’ ich nicht leidend wissen.
Prinzessin. Sonderbarer, zittre nicht für die Schwester eines Herzogs. — Doch Du, Bester, Du —
Florentin. Ich bin jeder Gefahr gewärtig.
Prinzessin. (geht zu einem Schrank und zieht ein Kästchen hervor) Nimm dies und entflieh.
Florentin. Nimmermehr.
Prinzessin. Entflieh!