Die schwarzen Brüder von
Deutschland
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So wahr, als jeder meiner Leser, durch solchen Brief in Florentins izzigen Verhältnissen mit Kanella, in Verlegenheit gerathen wäre, eben so gerieth auch Florentin nach Lesung des Schreibens in eine der unangenehmsten. Was sollt’ er thun? — Kanella verlassen, zu eben der Zeit, da sich der Staat der lezten, entscheidenden Krisis genahet? Kanella verlassen und zwar in einem Zeitpunkt wo seine Gegenwart unausbleiblich nothwendig, wo noch einer der gefährlichsten Streiche in Rüksicht des Prinzen und des Kardinals zu vollführen war? —

Er schwankte.

„Was hab’ ich in Dosa mit den schwarzen Brüdern aus Deutschland zu schaffen?“ fragte seine Neugier oft, und die thätige Fantasie wußte tausenderlei Vielleichts zu entgegnen. Das lieblichste war Florentinen das angenehmste, und dieses lies nichts geringers muthmasen als Holdern in Dosa zu finden.

„Holder in Dosa!“ sprach er dann zu sich selber in halbem Entzükken: „Holder in Dosa! o, mein Gott, da ihn nach so langer Trennung wieder zu finden, wieder zu umarmen! — Was wird er mir alles zu sagen, ich ihm alles zu erzählen haben! — Da werd’ ich von dir hören, göttliche Louise, da von meinem Erstgebornen, meinem Karl! — da von Schwester Rikchen, vom guten Onkel. — Ach, Gott, ja! ich muß dahin, ich lasse die seligste Stunde meines Lebens so nicht entstreichen!“

Sogleich wurden einige Billette geschrieben, versiegelt und an die schwarzen Brüder in Kanellas verschikt, welche sich um Mitternacht in Florentins Garten, der an seinen Pallast stieß, zu versammeln eingeladen wurden. Gotthold und Dulli richteten alles zur schleunigen, geheimen Abreise ein; der Graf selber arbeitete bis um Mitternacht. Er siegelte zwei ansehnliche Pakete von Schriften und Briefen ein, beide an Sr. Durchlaucht, dem Herzog Piedro von Kanella addreßirt, höchst eigenhändig von demselben zu erbrechen.

Eine fürchterliche Mine sollte zum Wohl der Republik gesprengt, der Kardinal Benedetto und Prinz Moriz morgendes Tages von ihrer gefährlichen Höhe herabgestürzt und zur Revoluzion am ersten Septemberabend kraftlos gemacht werden.

Lange hatte der Graf hieran gearbeitet; denn nicht umsonst war er in die Geheimnisse dieser beiden Staatsmänner eingedrungen, hatte er einen schönen Theil seines Lebens in den ekeln Gesellschaften des Hofes vergehn lassen, hatte er die unsichre, gefahrvolle Protheusrolle gespielt und oft sein Leben daran gewagt.

Inzwischen hatten sich die schwarzen Brüder der höhern Ordnung im gräflichen Garten versammelt, wohin sie durch eine abgelegne Hinterpforte unvermerkt gelangen konnten. Es war finstre Nacht, der Himmel umwölkt, mond- und sternlos. Florentin, den Brief der schwarzen Deutschen in der Hand, trat jezt unter ihnen hin.

„Freunde,“ sprach er: „entschuldigt bin ich durch diesen Brief, worin ich von den deutschen Verwandten unsers heiligen Bundes gen Dosa beschieden worden, ich sage, entschuldigt bin ich durch ihn, daß ich Euch auf eine Stunde im nächtlichen Schlummer störte und hier versammelte.“