„„Ihr nach Dosa? — jezt nach Dosa? verlassen wollt Ihr uns jezt in der Noth?““ so schollen etliche Stimmen verworren aus der Menge hervor, indessen andre der Versammelten beim Laternenschein Florentins Brief lasen.
„Ja, ich muß Euch verlassen, muß dem Bunde gehorchen; ehe noch der Morgen graut bin ich ausser Kanellas Mauern. Dosa ist von hier nicht allzu entlegen; es wird die Reise von etlichen Tagen sein. Der erste September sieht mich wieder hier.“
„„Warum wollt Ihr jezt hinweg, da die Gefahr vor der Thür liegt?““ schollen die vorigen Stimmen, aber schon weniger laut zurük.
„Ihr habt meine Antwort gehört!“ entgegnete Duur mit ernsterm Ton: „Glaubt Ihr, daß ich aus Furcht zu entfliehn, oder mich von der nahen furchtbaren Szene zu entfernen gedenke? Ha, Brüder, kann man mich einer feigen Schurkerei bezüchtigen unter Euch? Sezt ich nicht oft schon Gesundheit und Leben öffentlichen und verborgnen Gefahren um Kanellas Wohl aus? — Ich kehre zurük, um am Abend des ersten Septembers an Eurer Spizze zu stehn, kehr zurük, und wär es auch zum Opfertode für Eure Freiheit.“ —
„„Ihr seid entschuldigt!““ riefen einige.
„Verlangt Ihr, daß ich durch einen Eid zeitliches und ewiges Wohl verpfände?“
„„Ihr seid gerechtfertigt! Ihr seid gerechtfertigt!““ riefen mehrere.
„Oder will jemand meinen Muth auf dieser Stätte in diesem Augenblick mit seiner Degenklinge messen?“
„„Still! still! still!““ riefen alle: „„kein Mistrauen unter uns!““
„Wohlan!“ erwiederte mit sanfterer Stimme der Graf: „so laßt mich ziehn, und beweiset nun auch Ihr während meiner Abwesenheit Muth und Geistesgröße. Habt Acht! kaum werde ich in Dosa angelangt sein, so stürzen zwei Männer von ihrer schwindlichen Höhe hernieder, die der Volksfreiheit die gefährlichsten waren. — Moriz und Benedetto, diese Riesen werden fallen!“