„Und weinte?“ — Ja, meine Leser, er weinte; und Thränen, wie die seinen, glänzen als Perlen, in der Ehrenkrone der Menschheit.
Er hörte das Stürmen der Glokken, Trommeln und Trompeten; er hörte den wachsenden Tumult in der Stadt; er hörte das Klirren der Klingen für und wider die Freiheit gezogen; hörte endlich auch das Angstgeschrei der Weiber und unmündigen Kleinen — und er, groß genug einen Herzog vom Thron herabzureißen, war auch gros genug alles Elend zu betrauern, welche diese Rebellion über manche Familie verschütten mußte.
„Aufruhr! Kampf der Freiheit!“ sprach er leise vor sich hin: „wie die Wörter längst in meiner Seele brannten! — Jezt beginnt das furchtbare Schauspiel, und ich — o dürft ich noch einmal den Vorhang fallen lassen! — Unerforschliche Hand des ewigen Schiksals, du warst es, die mich hieherführte, du warst es, welche die schreklichen Knoten schürzte, so diese Nacht auflösen soll — dir vertrau ich, führe mich ferner durchs Dunkel. — O das Blut der Unschuld bedekke mich nicht; nicht mir gelte euer Wimmern, lieben Kleinen; nicht mir euer Fluch in der Verzweiflung, unglükliche Weiber! — Ach, es ist so schreklich die Lebensfreuden der Glüklichen zu morden — und doch!“ — —
Florentins Seele war bewegt. Er liebte, war kaum den Armen einer Hochgeliebten entwunden — kein Wunder, wenn er so zart empfand, wenn er den einzelnen Unglüklichen, welche es durch ihn wurden, eine Thräne des Mitleids weinte.
Aber bald ermannte er sich. Kaum daß er die Waffen angelegt hatte, traten der schwarzen Brüder zwanzig bis dreißig zu ihm herein.
„Fiorentino,“ riefen sie halb verzweifelnd: „wir verlieren!“
Florentin. (kalt) Wer?
Ein Bündner. Wir, wir! des Herzogs Anhang ist gros.
Florentin. Wo stehn unsre Regimenter?
Ein Bündner. In den Straßen vertheilt nach Euerm Plan. Sie dekken die Kirchen, das Arsenal, und die Stadtthore.