„O Gianetta! Frei ist Kanella!“ rief der heimkehrende Enriko, indem er der Wohnung seiner Geliebten entgegen flog. Aber ach! — im Blute schwimmend, erschossen, lag die schöne Kanelleserin an der Thürschwelle ihres Hauses.

„Gianetta! Gianetta!“ stammelte seellos der arme Jüngling, und sank mit diesen Worten auf den Leichnam seiner Angebeteten hinab. Er brannte tausend Küsse auf ihren kalten Mund; aber umsonst, der schöne Geist der Geliebten war entflohn; er durfte nicht heimkehren aus seinen neuen Wohnungen. Das Volk umringte dieses unglükliche Paar, die Wuth der ergrimmten Rebellen zerschmolz bei diesem Anblik in Mitleiden.

„Ach, so ists denn vergebens!“ jammerte Enriko! „darf ich nicht hoffen glüklich mit dir im freien Kanella zu sein? — O Himmel und Erde, erbarmt Euch mein — ich habe sie verloren; meine Seligkeit, meine Hoffnungen, mein Einziges verloren! — Grausames Verhängniß, warum ein solches Spiel mit mir!“

Er sank schmerzvoll zu Boden, sein plözliches Schweigen, sein dumpfes Röcheln machte einige Männer aufmerksam; man eilte zu ihm; riß ihm vom Boden auf und fand einen Selbstmörder.

Vierter Abschnitt.

Erstes Kapitel.
Ruhe? — für Florentin?

Die Sonne war aufgegangen, den Triumf der Freiheit von Kanella zu verschönern. Licht und Leben ergoß sich durch die große Natur; Licht und Leben wohnten nach langen, düstern Zeiträumen endlich wieder im Busen der Kanelleser.

Berauscht von der Freude, nun am längst erseufzten Ziele dazustehn, schwärmte das Volk durch die Straßen, mit Jubelgeschrei. Entzükken glänzte aus jedem Angesicht; neugeboren wankten Greise und Mütter und Väter hervor sich, als freie Geschöpfe, am Strahl der Sonne zu erwärmen, zu jauchzen und zu hüpfen unter Kindern und Kindeskindern; Hohe und Niedre umarmten sich auf öffentlichen Pläzzen, uneingedenk des Ranges und der Würden, welche sie sonst unterschied; was sich sonst haßte, liebte sich jezt; was sich sonst nie gekannt, schlos jezt der Freundschaft heiligen Bund miteinander. Alles war vereint, alles fühlte sich groß, und gut und edel.

„Ich bin frei!“ lallten Greise verjüngt. „Ich bin frei!“ riefen die Kranken und genasen.

„Frei sind wir!“ jubelten Männer und Weiber, und die Kinder auf den Straßen.