Holder. Nenne mich gütig, nicht grausam; solch ein Unglük erfährt man jedesmahl nur zu früh; auch die schwarzen Brüder verhinderten, daß dir davon Nachricht ward, damit dich der Schmerz nicht großen Thaten entnervte.

Florentin. (jammernd) Schwester, Schwester, o meine Schwester, so seh’ ich dich nie wieder? O, mein alter, ehrwürdiger Oheim, so schläfst du ewig? erwachst nie wieder, deinen unglüklichen Florentin noch einmahl zu segnen?

Holder. (schmerzvoll) Florentin!

Florentin. Ha, Leben, schrekliches Leben, schreklicher Traum, wann werd’ ich von dir erwachen? —

Holder. Hörst du die Stimme deines Holder nicht mehr?

Florentin. Ich höre nichts — nichts mehr! für mich ist alles tod. Ich habe keine Schwester mehr, habe keinen Vater, keinen Badner, keine Geliebte — — alles ist dem unglüklichen Florentin geraubt. Ausruhen wollt’ ich, ach, und ich darfs nicht. Ich wähnte im Hafen des Friedens gelandet zu haben, wehe mir, und der Sturm des Schiksals schleudert mein zerbrechliches Schiff weit in den Ozean zurük.

Holder. Deine Seele leidet viel.

Florentin. Leidet unaussprechlich viel; ach, die ganze, fürchterliche Summe des menschlichen Elendes liegt auf sie allein hingebürdet.

Holder. Verzweifle nicht.

Florentin. Verliere deine Bluts- und Herzverwandten, verliere deine lezten Aussichten, den lezten tröstlichen Hofnungsschein, die allerlezte Zuflucht, verliere alles und fühle dieß alles — und sprich dann zu dir: verzweifle nicht! — Oh, prahlerischer Bund der Schwarzen, ich habe deine Wünsche gestillt, deine Entwürfe zur Wirklichkeit umgeschaffen — wo ist mein Lohn? wo sind die mir vorgespiegelten Freuden? — tritt her, gesammter, großer Bund, tritt her, in deiner ganzen Allmacht, und rufe meine Freuden aus dem Grabe hervor! —