Onkel. Die vermaledeiete Dependenz!
Holder. Und weil es denn einmahl geschieden sein sollte: so wollte sich und Ihnen der gute Florentin die Trennung dadurch erleichtern, daß er plözlich verschwand. Sie kennen ja seine Art in diesen Fällen!
Onkel. Jedes andre macht verzeihlich, nur heute nicht. O, mir ahndets, ich soll ihn nicht wiedersehn auf Erden — seine Heimkunft nicht erleben.
Rikchen. O doch, Onkelchen! und geben Sie acht, er holt sich gewis die schöne Marinerin aus Italien[2)] und feiert hier in Sorbenburg die Hochzeit. Das ahndet mir!
Onkel. Gott weis es, wessen Ahndung trügen wird!
Der Onkel schien so unrecht nicht zu haben, aber Rikchen gewis auch nicht. Und wenn unser fahrender Ritter auch das schöne Mädchen aus St. Marino nicht mitbrachte, könnte er nicht irgendwo für sich ein andres holdes Weibchen auffinden!
Inzwischen verstrichen nach diesem traurigen Morgen Monate nach Monaten, es wurde ein Jahr daraus; Florentin kam nicht wieder heim in die vaterländische Wohnung, und man verschmerzte endlich seinen Verlust. Zwei, drei, vier Jahre folgten dem ersten, doch man vergas ihn nicht!
Graf Florentin von Duur, den wir jezt auf seiner Abentheuerjagd begleiten müssen, denn die Sorbenburgsche Familie werden wir nicht so bald wieder besuchen können, war am Abend seines Abreisetags über die Gränze des Vaterlandes mit seinen Gefährten Badner und Gotthold. Es war ihm wehe und wohl, wenn er hinter sich in die Vergangenheit, oder vor sich in die Zukunft hinausblikte, sahe was er dort überstanden, und hier noch zu erwarten hatte! —
Der Winter war vorüber, der Frühling begonnen, und die schönen Tage des Maies erwachten; aber über seine Seele streute die liebliche Jahrszeit keine Freuden. Ungewis und unbestimmt, mehr ernst, als froh, kreuzte er etliche Wochen in den benachbarten Gegenden seines Vaterlandes umher; ohne sich dessen klar bewußt zu sein, wurde er immer noch magnetisch dahingezogen. Und so rükte der Tag des heiligen Urbanus unvermerkt näher, an welchem er sich in dem Städtlein Mungenwall befinden sollte.