„„Despotien in Republiken!““ sagte Holder mit einem bedeutenden Tone zu Florentinen hinblikkend.

„Ja, Despotien in Republiken umgemünzt, wirds eine gangbare Waare für die freigeborne Menschheit!“ rief Florentin, und ihm wars, als träumte er den Traum von den schwarzen Brüdern, wo sich in seiner Seele das erste lebhafte Gefühl für Freiheit, und schwarzer Groll wider Fürsten entwikkelte. — Er that einen freiern Athemzug — ihm wars ungewöhnlich wohl. „Despotien in Republiken!“ schallte es immer noch in seinen Ohren: „und da würdest du Louisen ungestört lieben dürfen, würdest du nicht über die Gränze wandern müssen, um einer frohen Nacht willen!“ setzte er bei sich stillschweigend hinzu, und ihn wandelte ein sonderbarer Schauer an; er fühlte sich in seiner ganzen Größe, sein Odem flog schneller, seine Hände krallten sich zusammen, sein Auge blikte funkelnd empor — sein Geist schwebte auf stürmendem Gefieder der ahndenden Fantasie.

„Ich sehe nur nicht ein, warum nicht jezt schon, das alles so ist, wie’s sein soll? warum sich erst künftige Jahrhunderte dieses Glüks erfreuen sollen? — O, die glükliche Nachwelt!“ sagte der alte Graf mit einer Mine der bittersten Unzufriedenheit. Der Onkel, der seine Lieblingsgrille, welche wir schon an ihm kennen[1)], zum Stoff der Unterhaltung machte, als die übrigen, schwazten und schwärmten so den Rest des Tages hinweg, umarmten sich dann noch einmahl und eilten halb traurig und halb getröstet ihren Betten zu.

Man freute sich Florentinen am folgenden Tage noch einige Stunden sehn zu können, und schlief ruhig mit diesem Gedanken ein. Aber, — Gott! wer schildert den Jammer dieser liebenden, treuen Seelen, als sie Florentinen am künftigen Morgen nicht mehr erblikten, der sich wahrscheinlich schon in der Nacht mit seinen beiden Dienern aufgemacht hatte!

Viertes Kapitel.
Abschied von der Sorbenburg.

„Mein Bruder hat uns verlassen, ohne uns das Lebewohl zu sagen!“ rief Rikchen ihrem Onkel weinend entgegen, der ungewöhnlich früh aus den Federn gestiegen war, um sich noch desto länger mit seinem Neffen unterhalten zu können.

Dem Alten fuhrs wie ein Donnerschlag durch die Ohren. „Uns schon verlassen?“ stammelte er, und sein Unwille sprach aus Blikken und Gebehrden: „das war dumm!“

Holder, welcher noch die meiste Fassung hatte, suchte beide zu beruhigen. Es gelang ihm nur schwer.

„Dumm ists!“ rief der alte Graf: „und dumm bleibts. Ich sehe im Grunde nicht ein, warum der Kammerherr so sehr mit seiner Reise eilt. Ich weis, der Herzog würde gewis nicht böse sein, wenn Florentin noch einige Monate, wenigstens einige Wochen, bei seinen Verwandten geblieben, wäre.“

Holder. Aber es war ja des Herzogs ausdrüklichster Befehl, daß Florentin seine Reise je bälder je lieber antreten sollte. Serenissimus bedient sich ihres Neffen höchst wahrscheinlich in ausserordentlich wichtigen Angelegenheiten, welches daraus erhellt, daß der Zwek dieser Reise so sehr geheim gehalten wird und der Termin der Abreise sobald angesezt ist.