Aellmar. Ich witterte diese Unruhen schon vor einigen Jahren, als ich mit Holdern nach Italien reisen mußte, und wir zwei Monate in Kanella hinbrachten.
Florentin. (aufmerksam) Mußte Holder nach Italien reisen.
Aellmar. Er mußte, und zwar in Geschäften der schwarzen Brüder.
Florentin. Und Sie begleiteten ihn?
Aellmar. In einer ähnlichen Angelegenheit.
Florentin. Darf ich um Holders Geschäfte in Italien wissen? Es intereßirt mich zu sehr, um so seltsamer mir damahls seine Entschwindung vorkam, als er — —
Aellmar. Ich erinnere es mich noch sehr gut. — Der Zwek der schwarzen Brüder ist Verbreitung des Guten, Unterdrükkung des menschlichen Elends. Wir waren es, welche die Jesuiten aus Italien vertrieben hatten, ohne daß diese eben so wenig, als die übrige ungeweihte Welt davon ahndeten. Unser Triumpf war groß. Die Zerstörung der jesuitischen Hierarchie war eine herrliche That unsers Bundes, lange schon beschlossen in unserm Rathe, und so meisterhaft ausgeführt, daß niemand dabei unsern Einfluß ahndete — Diese in Heiligenmasken verkappten Teufel aber schlichen sich bald wieder an einigen italiänischen Höfen ein; ihre Fortschritte machten uns besorgen zu frühzeitig triumfirt zu haben; sie hatten ihre Nezze so fein und so stark gewebt, daß es eben so leicht möglich war, sich in ihnen zu vergarnen, als unmöglich sich denselben wieder zu entwinden. Wir bekamen Wind davon. Der Plan, die Gespinnste des Jesuitismus ganz zu zerreißen, ward entworfen, ihn auszuführen bedurfte es einen Mannes mit dem schärfsten, alles umfassenden Blik, mit der feinsten Politik, mit einer ausserordentlichen Geistesgegenwart begabt. Alles beruhte auf diesen Mann allein und — Holder wurde erwählt.
Florentin. Sie sezzen mich in Erstaunen.
Aellmar. Holder lebte zu der Zeit auf dem Landgute ihres Oheims, wo er von allem, was geschah, schriftlich und mündlich Notiz erhielt. An 6 verschiedne Herrschaften Italiens wurden einige schwarze Brüder verschikt, die Jesuiten in der Nähe zu beobachten, Holder selber sollte sich dahin begeben, um die mannigfachen Pläne des Ordens der schwarzen Brüder, die an den verschiedenen Höfen realisirt werden sollten, harmonisch zu erhalten, Maasregeln, die aus der Uebersicht des Ganzen entspringen mußten, zu ertheilen, mit einem Worte alles zu dirigiren. Seine Abreise hing noch von der Einwilligung eines deutschen Fürsten in einen gewissen Vorschlag in Rüksicht der jesuitischgesinnten Italiäner ab. Alle hofften wir auf Entscheidung. Auch ich wurde bestimmt mit Holdern zu reisen, um seinen Befehlen zu gehorchen. Damahls lernt ich ihn kennen; ich sprach ihn zuweilen in der Nacht in der Nähe des Duurschen Landgutes, wann er mir und andern das Signal durch einen Büchsenschuß gab. Ich bewunderte schon in diesen seltnen nächtlichen Konversazionen den schlauen, weisen, ehrwürdigen Mann. Der deutsche Fürst lies uns lange hoffen, Holder wurde beinah ungeduldig, er liebte Ihre Fräulein Schwester und hätte sich gern mit ihr genauer verbunden, wenn nicht die Macht des Ordens auf eine Zeitlang dawider gestanden. Plözlich erhielten wir Befehl aufzubrechen, ohne Zeitverlust, ohne Schonung der Geldkosten, so schleunig, als möglich, weil von unsrer baldigen Ankunft in Italien alles dependirte. Wir gaben Holdern das Signal. Er erschien; unsre Nachricht dekontenanzirte ihn anfangs — allein, weil wir schon seit eingen Monaten Befehl hatten, uns in jeder Stunde zum schleunigsten Aufbruch bereit zu halten, so mußte er noch in eben der Nacht mit uns. Rastlos gieng die Reise durch Deutschland. Wir kamen nach Italien; zerstreuten uns, jeder an dem ihm vorbestimmten Posten. Holder zeigte sich hier, als Meister. Er kam zurük zu den Brüdern in Deutschland, die seine bewundernswürdige Thaten, seinen Eifer mit dem Stuhl des Regenten belohnten. Glauben Sie mir, Herr Graf, es leben eben so viel große Männer unbekannt, als bekannt! —
Florentin. Wahrlich ich bin stolz der schwarzen Brüder einer zu sein.