„Ich bedaure,“ sagte Aellmar lächelnd: „Ich bedaure, daß Sie sich durch den Schleier so verführen ließen, meine Frau für Ihre Durchlaucht die Prinzeßin Louise zu halten. Zudem, wie sollt ich zu der Ehre gelangen, eine fürstliche“ — —

Florentin. Aber wissen Sie gar nicht, wo sich die Prinzeßin befindet?

Aellmar. Wie sollt’ ich? so viel ist gewis, und das wird Ihnen ja besser, als mir bekannt sein, daß die Prinzeßin Louise, wegen ihrer Kränklichkeit, auf einem ihrer Landgüter lebte. Die Aerzte haben es ihr gerathen; Veränderung der Luft und des Aufenhalts soll sie bald wieder herstellen. Die Prinzeßin, um sich zu gleicher Zeit ein seltneres Vergnügen zu gewähren, macht inkognito, von wenigen Bedienten nur begleitet, kleine Reisen durchs Herzogthum, so daß niemand eigentlich weis, wo sie sich befindet.

Florentin. (rieb sich die Stirn.)

Aellmar. Dies ist alle Auskunft, die ich Ihnen geben kann, das heißt, ich sage, was man allenthalben spricht. — Doch lassen Sie uns davon abbrechen. Sie wollen nach Mungenwall reisen.

Florentin. Wie ich Ihnen gesagt habe.

Aellmar. Und wohin zielt von da Ihre Reise?

Florentin. Wohin mirs gelüstet. Des Herzogs Befehl bindet mich an keinen Ort und keine besondern Geschäfte.

Aellmar. So würd ich mich in Ihrer Stelle um Menschen, Länder, Politik und Volkskraft zu studieren, ohne Anstand nach Kanella begeben, wo jezt Volk und Fürst im Prozeß liegen, Komplote geschmiedet, Pläne entworfen und zerrissen, Kabalen gespielt und Gährungen erregt und gedämpft werden.

Florentin. (zerstreut) Ich fänd’ es selber nicht unangenehm.