„Das unstäte Herumreisen gefällt mir. Ich bin schon ganz wiederhergestellt; in der andern Woche muß ich am Hofe erscheinen, aber, ach, Florentin, wie öde ists dort, wenn Du nicht da bist! Mein Bruder, der Herzog soll sehr niedergeschlagen sein — ich wünschte die Hälfte Sehnsucht nach Dir, die mich quält, in seinen Busen und er würde Dich gewiß mit Thränen der Reue in sein Land heimrufen.“ —
„Antworten mußt Du nie auf meine Briefe. Man hat mir aber versprochen, mich von allem zu benachrichtigen, was sich mit Dir ereignet. — Florentin liebe mich — bleib mir ewig gut! die Hand, die uns trennte, führt uns vielleicht einst wieder zusammen. Erinnerst Du Dich noch eines Abends, da du im Schloßgarten mir das Strumpfband applündertest?“
„Florentin lieb ewig
Louisen.“
„Geschrieben im Aellmarschen
Waldhause bei
Riedelsheim.“
Daß Florentin beim Lesen und nach Lesung dieses Briefes in eine ihm jezt sehr ungewöhnliche heitre Seelenstimmung versezt wurde, ist leicht zu errathen. Er küßte das Blatt, welches ihre Hände berührt, küßte die Züge, welche sie gezeichnet hatten.
Aber die Wonne des Grafen war nicht das liebliche Rosenroth auf die grüne Farbe der Hoffnung hingegossen, um mit Farben Florentins Seelenzustand zu mahlen: sondern ein düsteres Roth auf schwarzem Grunde. Ein unwandelbarer Trübsinn dämpfte jedes aufwallende, frohe Gefühl, und ließ im Freudestrahlenden Auge die Thräne der Schwermuth blinken.
Gewöhnlich glaubt man, daß Entfernung von der Geliebten den Schmerz sie nicht besizzen zu können, und am Ende die Liebe selber, mildert, auch der brave Herzog Adolf gieng wahrscheinlich von diesem Standpunkte aus, da er Florentinen und Louisen mit weiser Vorsicht trennte — aber hier fand das Gegentheil statt. Seine Liebe wurde mit jeder Entfernung von dem Gegenstande derselben heftiger, und er empfand die traurig angenehme Wahrheit des Owenischen Spruches an sich, daß
Je mehr man dem Feuer der Liebe entfliehe,
Je mehr es glühe.