Er hätte gern anizt die Pferde satteln und sich im sausenden Gallopp wieder nach Riedelsheim oder dem Aellmarschen Waldhause zurüktragen lassen, um Louisen zu sehn, zu umarmen, zu sprechen, um sein Ebenbild an das Vaterherz zu drükken — aber der Urbanstag war nicht mehr weit, und die Prinzessin, die sogar seine Briefe verbat, konnte vielleicht auf seine Selbsterscheinung noch ungehaltner werden; überdem war ihr Aufenthalt äusserst ungewiß.

Gezwungen also mußte er so weise sein, die in ihm aufsteigenden Wünsche schweigen zu machen. Aber Aellmarn konnte ers lange nicht vergeben, daß er ihn so heimtükkisch hintergangen, und die Anwesenheit der Prinzeßin in Riedelsheim nicht verrathen habe. — Wäre Aellmar nicht der schwarzen Brüder einer gewesen, so fürchte ich, daß Florentin blutige Rache an ihm genommen haben würde.

„O!“ rief der betrogne, tiefgekränkte Graf, mehr als einmahl mit wildem Verdrusse aus: „fürwahr, spielt man doch mit mir, als einem Kinde. Nein, so wahr ein Gott über uns lebt, so wahr ich frei bin und Mann bin, ich will länger nicht sein der, welcher ich war. O, Freundschaft, Freundschaft, bist doch nur eine schöne Puppe, welche man fühlenden, reinen Seelen, mit Kindesunschuld begabt, auf eine Zeitlang zum Tändeln giebt! du selber reizendes Ideal, Inbegrif jeder Tugend, hast dein Antliz abgewandt von der entarteten Menschheit, dein Schatten nur schwebt noch auf der Geschichte der Vorwelt und den Werken des Dichters!“

Ich glaube, der Graf würde nicht unrecht gethan haben, wenn er das beherzigt hätte, was wir oben (Seite 9.) über den Monolog eines Fürsten gloßirten! —

Inzwischen hatte er weder Zeit genug seine Freude, noch seinen Verdrus lange zu verfolgen, weil endlich der Tag des heiligen Urbanus anbrach und — verdämmerte.

Schon vorher hatte der Graf von einem Mungenwallischen Wirthe nöthige Kunde über den rothen Wald, die Heerstraße, das steinerne Kreuz und dergleichen mehr eingezogen, wovon ihm Holder sagte, so daß er jezt unmöglich irren konnte, da er gegen Abend zum Mungenwaller Thore hinauswanderte, und dem vor ihm liegenden Gehölz entgegen.

Er trat hinein in den sogenannten rothen Wald, der an sich jedem andern grünen Walde gleich war, nur daß mit Anfang des Gebüsches auch der Erdboden in Berg und Thal sich zu verändern anfing, und Florentins Straße sich in ewgen Krümmungen um Hügel, durch Thäler, grausenvolle mit hohen Rüstern überwölbte Hohlwege eine gute halbe Meile hinschlängelte.

Die Mitternachtsstunde nahte. Florentin sah links das steinerne Kreuz auf einer mit Sträuchern wildumwachsenen Anhöhe. Er lagerte sich am Fuße derselben, harrend der Dinge, welche kommen sollten.

Der Himmel war mit Wolken bezogen; hie und da funkelte ein Stern herab; dann und wann trat der Mond aus den Nebeln hervor, übrigens herrschte Todesstille im Walde.

Der Graf hatte noch Zeit genug vor sich seine Begebenheiten zu überdenken, die ihn hieher gebracht hatten.