So dachte man und sprach man leise und laut im ganzen Gebiete Kanellas; täglich erschienen Pasquille auf dem Fürsten, seine Lieblinge und Ministers, wöchentlich traten heimlich gedrukte Schriften über die Regierung ans Licht, welche dieselben vor den Augen des ganzen lesenden Volks in ihrer Blöße darstellten.
Piedros Aufwand überstieg beiweiten seine Einnahmen; alle Mittel wurden hervorgesucht, und waren es die abscheulichsten, um die zerrütteten Finanzen wiederherzustellen. Eine auswärtige große Macht, welche schon seit etlichen Jahren in einen schweren Krieg verwickelt war, verlangte vom Kanellesischen Hofe Truppen gegen Bezahlung einiger Millionen. Wem konnte dies Anerbieten willkommener geschehn, als dem Piedro? — die Regimenter wurden kompletirt, exercirt und in marschfertigen Stand gesezt. Die Kanelleser murmelten zwar manches von Unrecht, Widersezzen, Aufsagung des Gehorsams und dergleichen mehr, aber wer hörte auf sie? — Doch gab dies den ersten Anlaß zum öffentlichen Ausbruch des allgemeinen Misvergnügens.
Der Kardinal Benedetto, Piedros Favorit und Universalminister, hatte durch seine Spione manches erfahren, was allerdings für den Hof nicht allzugünstig ablaufen konnte, begab sich also zum Fürsten, und zwar am Tage vor dem Abmarsch der Regimenter.
Er fand den Landesvater in den Armen der schönen Gräfin Rosaffa, wollüstig in ihren schwarzen Haarlokken tändelnd. Der Kardinal wollte zurüktreten.
„Nicht doch, Herr Kardinal,“ rief ihm die Geliebte Piedros zu: „kommen sie herein, wir werden nicht gestört.“
Piedro. (lachend) Nein, nein, wir werden nicht gestört! ha, ha, ha!
Kardinal. Ich habe Ew. Durchlaucht nur ein Wort, aber ein wichtiges Wort zu sagen.
Piedro. So? reden Sie; Donna Rosaffa darfs ja wohl hören.
Rosaffa. (einen intressanten Blik auf den Kardinal werfend.) Ich bitte selber darum.
Kardinal. (sie anlächelnd) Ich muß gehorsamen.