Florentin. Ganz; nur das Gefühl meines Elendes meiner Reue ist mir geblieben, und die Hoffnung, Gott werde sich meiner Seelen in der lezten Erdenstunde erbarmen, — und droben — droben wirds besser sein.

Herzog. Du willst sterben?

Florentin. Ich bin bereit.

Herzog. Nein, dein Leben soll dir der Herzog nicht nehmen, aber — —

Florentin. (erschüttert) Mein Fürst! (zu seinen Füssen stürzend) Mein Fürst!

Herzog. Was machst du? steh auf.

Florentin. Ich kann nicht. Ich habe keine Gnade verdiene, und auch nie Anspruch darauf gemacht.

Herzog. Bist nicht begnadigt. Du hattest das Leben verwirkt, aber theils deiner Verdienste um Herzog und Land, theils der Geheimhaltung von der Schwangerschaft der Prinzeßin Louise willen, wird dir das Leben geschenkt. Noch weis niemand am Hofe und in der Stadt von der unglüklichen Begebenheit. Die Prinzeßin heißt es, ist wegen ihrer Kränklichkeit auf eines ihrer Landgüter gereiset, und du bist wichtiger geheimer Geschäfte willen zu mir berufen. — Deine Strafe ist — — Landesverweisung. Mehr konnte die Freundschaft bei der Gerechtigkeit nicht auswirken. So lange Herzog Adolf lebt und regiert, sollst du nie wieder die vaterländischen Fluren erblikken, im Auslande sollst du umherwandeln, von mir vergessen, keine andere Strafe zu fürchten haben, als die, welche dir das zarte Gewissen eines gefühlvollen Biedermanns auflegen wird.

Florentin umarmte weinend, mit sprachlosen Danke, die Knieen des gütigen Fürsten.

„Noch vier Wochen,“ fuhr lezterer in seiner Rede fort: „noch 4 Wochen hältst du dich in meiner Residenz auf, erscheinst du öffentlich am Hofe, um dem Volke jeden Verdacht zu rauben, und damit du dich zur Abreise aus deinem Vaterlande vorbereiten, wie auch die angefangenen Staatsgeschäfte beenden kannst, — so dann gehst du unter dem Vorwande, daß ich dich auf Reisen schikke, fremde Länder, Einrichtungen, Sitten, und Verhältnisse zu studieren, auf ewig aus deinem Vaterlande. Ließest du dich irgend einmahl wieder in demselben gewahr werden: so stehe ich nicht für dein Leben. Und nun, mein lieber ehemaliger Freund, leb wohl! So wie wir uns jezt sahen und sprachen, sehn und sprechen wir uns nie wieder in dieser Welt!“