Florentin.
Der Graf schrieb so langsam, legte so oft die Feder nieder, setzte dann wieder an, sprang auf, schwankte jammernd durchs Zimmer, setzte sich wieder hin, um zu schreiben, daß er kaum das Billet beendiget hatte, als die bestimmten 20 Minuten schon vorüber waren und der Herzog ins Zimmer trat.
Florentin stand auf, ergriff den Zettel, überreichte ihn dem Fürsten, ohne eine Sylbe zu sprechen.
Adolf wikkelte das Papier ungelesen zusammen, trat Florentinen um einen Schritt näher, nahm dessen Hand in die seine, und betrachtete so den Unglüklichen lange Zeit mit wehmüthigen Blikken.
„Noch hab ich,“ sagte er „keinen Freund gehabt, wie dich, das heißt, ich, habe noch keinen Mann so sehr geliebt, wie dich — o Florentin, daß du mich doch nicht so wieder lieben konntest! Der Herzog spricht jetzt nicht mit dir, sondern dein ehemaliger vertrauter Freund!“
Florentin. (mit stets niedergeschlagenen Blikken) Mein Fürst — — —
Herzog. Nicht dein Fürst, sondern dein Freund spricht jezt mit dir, und zwar in diesem Leben zum leztenmahle. Der Herzog hat dich gerichtet, und der Freund nimmt von dir Abschied; — kömmt, dir das lezte Lebewohl zu sagen. — Fühlst du gar nichts mehr für Adolfen?
Florentin. (bestürzt) Ich verstumme, wie ich —
Herzog. O lieber Florentin, es thut weh, sich trennen zu müssen von dem, den unser Herz lieb gewonnen.
Die Stimme des guten Fürsten zitterte bei den lezten Worten. Florentin verwirrt durch die jähe Verwandlung des zürnenden Fürsten in den mitleidenden Freund, schlug die Augen auf, und gewahrte Thränen auf der Wange desselben. Der Herzog drehte sich von ihm ab, gieng an ein Fenster und rief: „ich bin noch zu jung, bin noch nicht eiskalt genug — meine Gefühle schweigend zu machen! Aber sag mir, sonderbarer Mensch, wie ist dir? hast du deine Empfindung ganz verloren?“