Graf. O, Durchlauchtigster Herr, es sind Stunden wo — doch nein, ich kann mich nicht entschuldigen.
Herzog. Nicht genug, daß Sie einen Fürstenstamm entehrten, welcher nur gewohnt ist Königskronen auf seinen Nebenzweigen zu tragen; nicht genug, daß sie jede Pflicht des Unterthanen vergessen; nicht genug, daß Sie die Wohlthaten Ihres Gönners mit Niederträchtigkeiten bezahlten — so haben Sie auch auf ewig die so seltne häusliche Glükseeligkeit einer fürstlichen Familie zerstört — haben mich auf meine Lebenszeit misvergnügt, elend gemacht, und meine Schwester, die ich sonst so sehr liebte, gleichfalls.
Graf. Ich bin strafwürdig — ach, nicht so sehr Ihre Durchlauchte Schwester. Lassen Sie mich unser beider Vergehen allein abbüßen, sammeln Sie alle Strafen für mich allein!
Herzog. Elender, die Zeit ist vorüber, wo Ihre Bitten bei mir galten. Jetzt bereiten Sie sich zu ihrem Urtheil. — Ich werde Sie verlassen; haben Sie noch in diesem Leben Ihrer Familie etwas zu vertrauen: so schreiben Sie. In jenem Winkel liegen Papier, Dinte und Federn auf dem Tische. In zwanzig Minuten müssen Sie fertig sein.
Der Fürst verlies ihn wieder.
Florentin rang die Hände; Schauer des Todes wehten ihn an.
„Ach, so ist denn das Ziel meiner Hoffnungen, meiner Arbeiten, meiner schlaflosen Nächte? — Ein unnatürlicher, früher, schändlicher Tod! — Gott, und dahin konnte ein wollüstiger Rausch führen? — O mein guter Oheim, meine Schwester und du mein Holder wüßtet ihr! — wüßtet ihr! — wo Florentin stände! —“
Er gieng zum Winkeltischchen, zog die Taschenuhr hervor, legte sie neben die Papiere, ohne in der Angst nach ihren Minuten hinzusehn, und schrieb mit kalter bebender Hand:
Freunde,
Ich bin ein Verbrecher. — Diese Nacht ist die letzte meines Lebens, ich leide in ihr die wohlverdiente Strafe. — Verzeiht mir, wie Gott mir verzeihen wird, zu dem ich hoffe. — Ich danke Euch für Eure Liebe. Erinnert Euch noch zuweilen des unglükseeligen Florentins, wenn er lange schon im Grabe vermodert ist. — Bittet dem beleidigten, ehmals so liebevollen, Herzog, nach meinem Tode noch, in meinem Namen um Verzeihung. — Nun lebt wohl, ich getröste mich der süssen Hoffnung, in einer bessern Welt Euch wieder zu sehn. Lebt wohl.