Erstes Kapitel.
Seelengröße.

Ich riß den Faden meiner Erzählung im vorigen Bande da ab, wo unser Delinquent entgeistert in des Herzogs Arme stürzte; ich knüpfe ihn wieder an, die Geschichte weiter zu spinnen.

Florentins Selbstbewustsein erwachte, aber es war ein fürchterliches Erwachen — das Erwachen zum Tode. Der Anblik der schwarzen Tapeten des Zimmers, der matte Schimmer der Wachskerze, welcher zum Theil von den düstern Wänden eingetrunken wurde, die schrekliche Stille dieser Mitternacht, die Rükerinnerung an dasjenige Verbrechen, welches ihn hieher gebracht — alles das wirkte so sehr auf ihn, daß ihm wenig fehlte, um in eine neue Entgeisterung zurük zu sinken.

Er fand sich von den Armen eines Mannes gehalten, drehte sich um und der Herzog lies ihn los.

„O, gnädigster Herr!“ rief, er, und wollte sich auf die Kniee niederwerfen, aber der Fürst verhinderte es.

„Mensch, was haben Sie begangen?“ fragte Herzog Adolf nach einer Weile mit fürchterlichen, majestätischen Ernst im Ton und Mienen.

„„Ich weis es,““ entgegnete der unglükselige Graf, der bleichen Antlizzes, zur Erde gebeugten Blikkes, mit gefaltenen vor sich niedergestrekten Händen da stand, als einer, über welchem das verdammende Urtheil des Richters herniederdonnert: — „„ich weis es gnädigster Herr, ich läugne mein Verbrechen nicht.““

Herzog. Sonderbar, wie würden Sie das auch im Stande sein? Aber fühlen Sie das ganze, schrekliche Gewicht desselben, Leichtsinniger?

Graf. Ich fühle es. — Sie, der Sie mich zu den glänzenden Ehrenstufen, die nur nur je die ausschweifendste Einbildungskraft vorzeichnen konnte, empor halfen, Sie sind durch mich — entehrt worden.

Herzog. Warum fühlten Sie das nicht früher, schlechter Mensch?