Borghemo führte den Grafen in einen abgelegnen dunkeln Winkel, zog ein Blatt aus seiner Brieftasche, starrte seinen Mann an und schien eine wichtige Frage vorräthig zu haben.
„Fiorentino, hört mich — wenn — nein — doch es ist möglich! — könnt Ihr diese Zeilen lesen? Sie sind in einer abgestorbnen Sprache mit fremden Lettern geschrieben.“
Florentin nahm das Blättchen, las, erstaunte freudig und fuhr mit der flachen Hand plözlich gegen seine Stirn, Borghemo ward aufmerksam:
„Wahrhaftig, ein Schwarzer?“
„„Ein Schwarzer!““ antwortete Duur leise und zeichnete mit dem Stokke sieben verschiedne Züge in den Sand. —
Borghemo lag in Florentins Armen.
Das stille Entzükken der neugebornen Freundschaft durchwärmte sie, drängte ihre hochklopfenden Busen aneinander, lies ihre Arme sich in einander verschränken, glühende Lippen an glühenden Lippen sinken und ihre glänzenden von einer leichten Thräne gebrochnen Augen aufstarren in seeligen Taumel. Sie empfanden beide das süße Vorrecht zarter, gefühlreicher Seelen, den Kelch der Freude da ganz ausschlürfen zu können, wo andere nur nippen dürfen.
„Heilig, heilig ist das Band!“ rief Borghemo: „heilig das Band, welches uns zusammenführte und uns umschlang, ehe wir gegenseitige Ahndung von unserm Dasein in der Welt empfanden! Heilig ist der Bund der schwarzen Brüder!“
Sie drükten sich noch einmahl Brust an Brust, und kehrten wieder, Arm in Arm, zur Gesellschaft zurük. Hier herrschte eine traurige Stille; nur Giovanni Borsellino schien von allen Exulanten noch der zufriedenste zu sein, weil er an der Seite der geliebten Laura Eo Kanella verlassen konnte. Jezt bestieg man wieder Pferde und Wagen; die Trennung war schmerzhaft, die Verwiesnen zogen über die Gränzen des unglüklichen Vaterlandes; Borghemo mit seinen Freunden aber und Florentin mit Gotthold, Badner und Dulli trafen spät in der Nacht zu Kanella ein.